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raschwerin
raschwerin, Rechtsanwalt
Kategorie: Familienrecht
Zufriedene Kunden: 17003
Erfahrung:  Rechtsanwalt
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raschwerin ist jetzt online.

Hallo, ich bin in sehr großer Not um mein ehemaliges Pflegekind,

Kundenfrage

Hallo, ich bin in sehr großer Not um mein ehemaliges Pflegekind, das wir im Alter von 10 Mon. für 3,5 Jahre "groß gezogen" haben. Es hat sich eine sehr große Bindung entwickelt (wir sind für ihn Oma und Opa). Im März diesen Jahres wollte ihn die Mutter (Borderline) wieder zurück. Der Junge ist seit der Rückführung sehr aggressiv geworden, besonders zu seiner Mutter, er versteht nicht, warum wir ihn "immer wegschickten". Das Jugendamt wollte, dass wir die ersten Wochen keinen Kontakt haben sollten, dann wäre das Kind zerbrochen. Die Mutter hat sich von mir überreden lassen und wir hatten ihn leider sehr unregelmäßig übers Wochenende. Er war sehr glücklich darüber. Dann hat sie plötzlich die Telefonnr. geändert und wir haben seit 7 Wochen das Kind nicht mehr gesehen. Da ich ihn am besten kenne, weiß ich ,wie sehr er leiden muß. Wahrscheinlich ist ihm gesagt worden, er dürfe uns nie wieder sehen. Leider steht das Jugensamt auf der Seite der Mutter. Es muß eine Folter für das Kind sein. Ich habe das Umgangsrecht beantragt, der Sozialarbeiter meinte, wir hätten keine Chance. Kommt das Gesetz §1685 BGB Abs.2 wirklich nicht für uns in Frage? Wie kann ich dem Kind nur schnellstens helfen, dass es sich nicht von uns verlassen fühlt!
Christa Bergmann-Witt
Gepostet: vor 3 Jahren.
Kategorie: Familienrecht
Experte:  raschwerin hat geantwortet vor 3 Jahren.
Sehr geehrter Fragesteller,

vielen Dank für die Nutzung von Justanswer.

Gern beantworte ich Ihre Frage wie folgt:

Ihr Recht auf Umgang und Kontakt ergibt sich aus dem Gesetz.

§ 1685 Absatz 2 BGB gibt Ihnen dieses Recht, welches auch gerichtlich einzufordern ist.

Das folgende gilt auch für andere Bezugspersonen im Sinne des Gesetzes:

Der Gesetzgeber hat in § 1685 BGB den Großeltern ein eigenes Recht auf Umgang mit den Enkelkindern eingeräumt. Dieses Umgangsrecht wird jedoch nur dann gewährt, wenn dieser Umgang dem Wohl des Kindes dient. Auf diese Weise sollen die verwandtschaftlichen Beziehungen aufrechterhalten werden.

Schon vor 15 Jahren ist gesetzlich ein Umgangsrecht von Großeltern mit den Enkelkindern normiert worden.

Großeltern haben aber nur dann Anrecht auf Umgang mit dem Kind, wenn der Umgang dem Kindeswohl dient. Der diesbezügliche Nachweis muss von den Großeltern geführt werden.

Zwar liegt es im Normalfall im Interesse des Kindes, zwischenmenschliche Beziehungen zu seinen Großeltern aufzubauen und diese durch Besuche weiter zu pflegen. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen den Eltern und den Großeltern über den Umgang ist aber zu beachten, dass das Erziehungsrecht der personensorgeberechtigten Eltern absoluten Vorrang hat.

Ein Recht der Großeltern auf Umgang, d. h. die Enkel regelmäßig zu sehen, besteht nur dann, wenn es zwischen Großeltern und Enkel eine enge Bindung, die über das normale Maß der Bindung zwischen Enkeln und Großeltern hinausgeht, besteht. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn beide Eltern berufstätig sind und die Großeltern die Kinder in der Woche regelmäßig versorgen.

Das Oberlandesgericht Hamm zum Beispiel hat in seiner Entscheidung vom 23.06.2000 - 11 UF 26/00 - das regelmäßige Umgangsrecht der Großeltern abgelehnt, da zwischen dem personensorgeberechtigten Elternteil und den Großeltern ein gespanntes Verhältnis bestand, und hat deshalb festgestellt, dass ein regelmäßiges Umgangsrecht mit den Enkeln nicht dem Wohle der Kinder entspricht. Die Durchführung der Besuchskontakte sei in einer ungestörten, das Kind nicht belastenden Atmosphäre nicht möglich.

Abweichend davon hat das Oberlandesgericht Celle in einem Beschluss vom 22.04.1999 - 18 UF 4/99 - in einem ähnlichen Fall für die Großeltern entschieden. In diesem Fall war es so, dass das Gericht die Feststellung getroffen hatte, dass die Aufrechterhaltung der Besuchskontakte zu den Großeltern dem Wohl der Kinder dient, da sich durch einen nahezu täglichen Kontakt über einen langen Zeitraum eine feste Bindung zwischen den Großeltern und den Enkeln aufgebaut hatte.

In einer anderen amtsgerichtlichen Entscheidung wurde auch betont, dass grundsätzlich der Umgang der Kinder zu Personen, zu denen es Bindungen hat, nützlich und förderlich für das Kind ist. Eine Verweigerung von Kontakten zu den Großeltern kann nur bei vernünftigen, am Wohl des Kindes orientierten Argumenten möglich sein.

Verweigern die Eltern – oder ein Elternteil – den Großeltern den Kontakt zum Enkelkind, haben die Großeltern die Möglichkeit, um den Umgang zu kämpfen. Ihnen steht ein gesetzliches Umgangsrecht zur Seite – wenn der Umgang dem Wohl des Kindes dient. Familienstreitigkeiten sind kein zwingendes Gegenargument.

Der Dreh- und Angelpunkt für ein solches Umgangsrecht ist das Kindeswohl und bei der Frage, ob das Umgangsrecht der Großeltern dem Wohl des Kindes dient, ist eine Abwägung der Interessen des Kindes, der Eltern und der umgangsberechtigten Großeltern vorzunehmen.

Der Umgang von Großeltern mit ihren Enkeln dient, wenn zwischen ihnen hinreichende Bindungen bestehen, regelmäßig dem Kindeswohl, es sei denn, dass schwerer wiegende Gründe entgegenstehen (Kammergericht - KG 6.7.00 - 17 UF 4612/00 - FamRZ 2000, 1520).
Experte:  raschwerin hat geantwortet vor 3 Jahren.

Sehr geehrter Fragesteller,

ich hoffe, ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Seien Sie bitte so freundlich, und geben Sie kurz eine positive Bewertung ab, wenn Sie keine Nachfragen ("Dem Experten antworten") haben, denn nur so erhalte ich den für die Rechtsberatung vorgesehenen Anteil Ihrer Anzahlung.

Ich danke Ihnen vielmals und stehe für Rückfragen und eine weitergehende Beauftragung natürlich jederzeit gern zur Verfügung.

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