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RA_UJSCHWERIN
RA_UJSCHWERIN, Rechtsanwalt
Kategorie: Erbrecht
Zufriedene Kunden: 2625
Erfahrung:  Rechtsanwältin
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RA_UJSCHWERIN ist jetzt online.

Am 2 Januar 2012 ist mein Vater verstorben. Es leben noch

Kundenfrage

Am 2 Januar 2012 ist mein Vater verstorben.
Es leben noch meine Mutter 69 Jahre und ich, Sohn 47 Jahre.
Es gibt keine weiteren Kinder, keine sonstige früheren Ehen usw..
Es gibt kein Testament, es gibt keinen Vertrag o.ä. zum Güterstand, wir sind auch nicht verkracht.

Meine Eltern besitzen ca. 150000 Euro, sowie ein selbst bewohntes EFH. Grundstückswert 110000, Verkehrswert mit Haus ca. 180000 Euro.

Das Vermögen stammt zum großen Teil von meinem Vater, der 1984 ca. 180000 Euro von seiner Mutter geerbt hatte. Davon wurde das Haus gekauft und es blieb ein Rest von ca. 65000 Euro.
Als ich ein Haus kaufte, bekam ich durch Schenkungen
• 1993 50000 Euro
• 1995 16000 Euro
• 2004 erbte meine Mutter von ihrer Mutter 50000 Euro. 20000 Euro schenkte sie mir um die letzte Hypothek zu tilgen.
Meiner Ansicht nach ist die Schenkung von 1993 und 1995 verjährt.
Die Schenkung von 2004 wird zu 2000 Euro angerechnet.

Nun gilt es das Erbe zu teilen. Haus 180000 Euro und Bargeld 150000 Euro.
Ich möchte meiner Mutter natürlich das lebenslange Wohnrecht einräumen. Sie muss aber alle Ausgaben, die das Haus verursacht tragen.

Meine Mutter sagt immer „Später gehört dir eh alles mal“. Sie geht stillschweigend davon aus, dass erst mal alles ihr gehört. Da ich aber nur 22 Jahre jünger bin als meine Mutter werde ich, da ich selbst dann vermutlich weit im Rentenalter bin, nicht mehr viel davon haben.
Meine Mutter hat jetzt die Idee, das Haus anzubauen und teilweise zu modernisieren mit „Ihrem Geld“

Fragen:
• Gehört meiner Mutter tatsächlich das Haus und das Vermögen als mein Vater noch lebte zu 50%?
Stichwort "privilegierten Erwerb, §1371 ff". Auf Grund des um 130000 Euro größeren Erbes meines Vaters schätze ich seinen Anteil auf 70-80%.
Falls meine Mutter mich auszahlen muss, um das Haus alleine zu behalten, hätte sie nur noch wenig, bzw. kein Geld mehr.

Wir könnten das Erbe aber auch so teilen, dass ich das Haus bekommen würde, jedoch wohnt meine Mutter natürlich darin und sie möchte natürlich das lebenslange Wohnrecht.
Nach der Sterbetabelle hätte Sie noch 18 Jahre zu leben, was einem Mietwert ähnlich dem Wert des Hauses entspricht. Ich hätte also auch nichts davon.

• Wie könnte das Erbe ohne Stress geteilt werden?

Ich selbst bin nicht auf das Haus und das Geld angewiesen, möchte aber auch nichts verschenken, was sich später vielleicht mal die Pflegeversicherung holt und dann hab ich ja auch noch 2 Kinder, denen möchte ich natürlich auch den Start ins Leben erleichtern.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Erbrecht
Experte:  RA_UJSCHWERIN hat geantwortet vor 4 Jahren.
Werter Fragesteller,

zu klären ist hier erst einmal, was tatsächlich in die Erbmasse nach Ihrem Vater gefallen ist.

War Ihr Vater alleine im Grundbuch für das Haus eingetragen oder haben beide Eltern zusammen das Haus per Kaufvertrag gekauft?

Die Schenkungen aus der Erbschaft Ihres Vaters müssen Sie sich nicht mehr anrechnen lassen. Die Schenkung aus der Erbschaft Ihrer Mutter auch nicht, denn Ihr Vater ist ja verstorben und nicht Ihre Mutter.

Rechtlich gesehen fließt alles in die Erbmasse, was dem Vermögen Ihres Vaters zuzurechnen ist. Wenn das Geldvermögen auf den gemeinsamen Namen der Eltern angelegt war, dann geht in den Nachlass nach Ihrem Vater auch nur die Hälfte ein.

Bitte machen Sie mir daher noch konkretere Angaben zu den Eigentumsverhältnissen am Haus.
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Hallo und vielen Dank für die rasche Antwort.

Beide waren zu gleichen Teilen im Grundbuch eingetragen, alle Konten waren auf beide angelegt.

Spielt die höhere Erbschaft, die mein Vater 1984 gemacht hat keine Rolle?

Gruß
Experte:  RA_UJSCHWERIN hat geantwortet vor 4 Jahren.
Werter Fragesteller,

dies ist natürlich eine schwierige Situation, ich weiß schon, worauf Sie hinauswollen. Eine ausdrückliche ehebedingte Zuwendung an Ihre Mutter wird sich aus dem Kaufvertrag der Immobilie nicht ergeben.

Es wäre also im Streitfall, von dem wir nicht ausgehen wollen, an Ihnen nachzuweisen, dass das Kapital für den Erwerb der Immobilie aus dem privilegierten Vermögen des Vaters geflossen ist, wäre die Eintragung Ihrer Mutter als Miteigentümerin in die Immobilie als ehebedingte Zuwendung zu sehen, die erbrechtlich nicht zu berücksichtigen ist.

Bei einer ehebedingten Zuwendung greift die 10Jahres-Frist auf Schenkungen im Erbfall unter Ehegatten nicht.

Ihr Erbteil müsste daher am vollständigen Wert der Immobilie errechnet werden. Allerdings wird das Geldvermögen nur zur Hälfte in die Erbmasse einfließen, da es auf beide Eltern angelegt war.

Der Nachlass ermittelt sich also aus der Immobilie mit einem Wert von 180000 € und dem Barvermögen von 75.000 €. Also ingesamt 255.000 €, wovon Ihnen die Hälfte zusteht.

Mangels Testament kann Ihre Mutter auch nicht einfach davon ausgehen, dass sie alleine über das Erbe verfügen kann, bis sie selbst eines Tages verstirbt. Sie bilden zusammen mit Ihrer Mutter eine Erbengemeinschaft und Verfügungen an dem Nachlass können nur gemeinschaftlich vorgenommen werden.

Von einer Eintragung ins Grundbuch an dem Haus haben Sie tatsächlich nichts, es wäre für Sie totes Kapital, wobei Sie an Instandsetzungsarbeiten auch noch beteiligt werden müssten.

Auf der anderen Seite wäre es aber so, dass wenn Ihre Mutter Alleineigentümerin des Hauses werden wollte, Sie einen Auszahlungsanspruch in Höhe fast des gesamten Barvermögens hätten. Dem wird Ihre Mutter wiederum nicht zustimmen wollen.

Wenn Sie aber den einfachen Weg wählen und zu 1/4 Miteigentümer in die Immobilie werden, entfielen auf diesen Anteil 45.000 €. Gegen Zahlung von 82.000 € aus dem gemeinsamen Vermögen, wäre dann für alle Seiten eine akzeptable Lösung gefunden.
RA_UJSCHWERIN, Rechtsanwalt
Kategorie: Erbrecht
Zufriedene Kunden: 2625
Erfahrung: Rechtsanwältin
RA_UJSCHWERIN und weitere Experten für Erbrecht sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.
Vieln Dank für die Beratung.
Es liegt nun an mir, bei meiner Mutter die richtigen Worte zu finden, damit sie sich nicht reingelegt vorkommt.
Gruß
Experte:  RA_UJSCHWERIN hat geantwortet vor 4 Jahren.
Werter Fragesteller,

ja das wird das Schwierigste überhaupt sein. Meistens muss man die Eltern erst einmal ganz sensibel darauf vorbereiten, dass sie nicht Alleinerbe geworden sind. Manchmal fehlt hier das Verständnis.
Ich wünsche Ihnen viel Glück und hoffe, dass Sie sich einigen können.

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