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InternetCoach
InternetCoach, Master
Kategorie: Allgemein
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Psychotherapeutin, Familientherapeutin, Drogenberatung
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Ich bin seit 15 Jahren mit meinem Mann zusammen (US Amerikaner)

Kundenfrage

Ich bin seit 15 Jahren mit meinem Mann zusammen (US Amerikaner) WIr haben in den USA gelebt aber immer wieder mit dem Gedanken gespielt, nach Deutschland zu kommen, damit die Kinder hier auffachsen koennen. Jetzt hatte ich endlich einen Traumjob, habe ihn ein Jahr gemacht und total geliebt. Mein Mann hat bei der gleichen Schule auch ein Jobangebot bekommen, es aber abgelehnt, weil er nicht hier sein will. Ich habe meinen Traumjob gekouendigt, weil ich dachte, ich schulde es meinem Mannund den Kindern, wieder mit ihnen in die USA zu gehen, aber ich bereuhe es schon, da ich leiber in D leben will, aber Angst habe, meinem Mann die Kiner wegzunehmen oder den Kindern dadurch zu schaden, Ich weil nicht ob ich meinem Mann je verzeieh, dass er immer gesagt hat, er kommt mit und es jetzt nicht tut.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Beziehung
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Wenn ich Sie richtig verstehe, haben Ihr Mann und Ihre Kinder im letzten Jahr mit Ihnen in Deutschland gelebt. Ihr Mann hat dann aber festgestellt, dass er hier nicht in Deutschland leben kann/moechte und will zurueck in die USA? Oder haben Sie das letzte Jahr auf zwei Kontinenten verbracht?


Auf persoenlicher Ebene verstehe ich Sie gut, denn auch ich bin mit einem Amerikaner verheiratet und lebe in den USA. Meine Erfahrung ist, dass Amerikaner gerne reisen, aber letztendlich oft grosse Schwierigkeiten haben, sich ausserhalb der USA wirklich "zuhause" zu fuehlen. Viele idealisieren das Leben in "der alten Heimat", aber wenn sie dann wirklich dort leben sollen, dann finden sie es sehr schwer, sich anzupassen an die andere Kultur, die anderen Werte, den anderen Lebensstil, die "den kleinen Raum." Das ist keine "Entschuldigung" dafuer, dass Ihr Mann sich nicht an Ihre Vereinbarungen halten moechte, aber moeglicherweise eine Erklaerung, warum er seine Meinung geaendert hat - er hat wahrscheinlich wirklich vorgehabt, mit Ihnen in D zu leben, und merkt jetzt, dass das fuer ihn nicht in Frage kommt. Dazu kommt ausserdem noch, dass Frauen sich leichter an neue Gegebenheiten anzupassen scheinen, waehrend Maenner (insbesondere amerikanische Maenner) da groessere Schwierigkeiten zu haben scheinen.


All das macht die Entscheidung fuer Sie natuerlich nicht wirklich einfacher, aber vielleicht hilft es Ihnen dabei, ihm zu vergeben, unabhaengig davon, ob Sie dann in die USA zurueckgehen oder in D bleiben. Denn er wird immer der Vater Ihrer Kinder sein und Sie haben einen grossen Teils Ihres Lebens miteinander geteilt. Vergebung ist KEIN Gefuehl, es ist eine Entscheidung. Hier ist der Prozess, wie man vergibt:

Natürlich musst man einem Menschen, der einem ein Unrecht antut nicht vergeben, aber wenn man ihm nicht vergibt, dann gibt man ihm Macht über die eigenen Gefühle und damit über das eigene Leben. Viele Menschen denken, dass Vergebung ein Gefühl ist, und dass man nicht vergeben kann, wenn man dieses Gefühl nicht hat. Diese Annahme stimmt aber so nicht. Vergebung ist zwar auch ein Gefühl, aber vor allem ist Vergebung eine Entscheidung. Und die Entscheidung zu vergeben hilft demjenigen, der vergibt, sehr viel mehr als demjenigen, dem vergeben wird. Nicht möglich? Lassen Sie uns den Vergebungsprozess einmal genauer anschauen.

Als erstes ist da die verletzende Tat oder das Vergehen. Es wurde einem etwas angetan, das falsch, ungerecht und schmerzhaft war. Dabei ist es unwichtig, wie schwerwiegend die Tat war. Die erste Reaktion des Verletzten ist es, den Schuldigen zur Verantwortung ziehen zu wollen. Die meisten Menschen haben ein tiefes Bedürfnis nach Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Darum widerstrebt Vergebung dem gesunden Menschenverstand erst einmal. Redensarten wie „Vergeben und vergessen“ helfen da wenig, denn sie bestätigen (zu Unrecht), dass Vergeben gleichzusetzen ist mit dem Ignorieren eines Unrechts. Wenn man vergibt, tut man so als ob das Unrecht nie passiert wäre. Warum sollte man da vergeben? Weil Vergeben in keinster Weise bedeutet, dass man die Tat vergisst oder einfach über sie hinwegsieht. Das menschliche Gehirn ist ohnehin nicht in der Lage, ein erlebtes Unrecht zu vergessen, und damit ist diese Redensart unsinnig.

Manchmal wird ein Täter bestraft und dadurch das Bedürfnis des Verletzten nach Gerechtigkeit zumindest teilweise gestillt. Ein Gerichtsprozess, eine Haftstrafe oder ein Urteil, das das geschehene Unrecht öffentlich macht, helfen da oft ein bisschen. Aber letztendlich fühlt der Täter weder den Schmerz, den er einem anderen zugefügt hat, noch kann er die Tat zurücknehmen. Der Schmerz und die Verletzung bleiben und beeinflussen das Leben, das Verhalten und die Entscheidungen des betroffenen Menschen oft noch jahrelang. Eine Frau, die vor ihrer Ehe vergewaltigt wurde, kann manchmal 20 Jahre später ihrem Mann immer noch nicht vertrauen, obwohl er sie nie schlecht behandelt hat. Ein Kind, das den Unfalltod eines Freundes beobachtet hat, wird auch als junger Mensch noch mit der Angst leben, dass alle Menschen, die ihm nahestehen, ständig in Gefahr sind und sich darum vielleicht nicht auf eine intime Beziehung einlassen. Ein Mann, der in der Armut der Nachkriegszeit aufwuchs, wird niemals verstehen, wie andere so unbedacht mit Lebensmitteln umgehen oder Dinge wegschmeissen, die vielleicht noch benutzt werden können. Diese Erlebnisse prägen einen Menschen und machen Vergebung damit zu einem wichtigen Thema.

Wenn man ein Unrecht erlebt, spürt man als erstes Schmerz. Von einem leichten Ziehen im Brustbereich bis hin zur rohen Verzweiflung. Je nach Art des Vergehens spürt man diesen Schmerz nur, wenn man sich an die Tat erinnert, oder er ist so überwältigend, dass er zum Teil des täglichen Lebens wird. Vielen Menschen wird dieses Gefühl des Verletztseins zu viel, und sie werden wütend. Diese Wut ist angebracht und oft hilfreich. Sie beschützt einen davor, sich wieder in eine ähnliche Situation zu begeben und nochmals verletzt zu werden. Sie erlaubt es einem sich gegen den lähmenden Schmerz zu wehren und im täglichen Leben zu funktionieren. Die Wut macht stark genug, den Täter zu konfrontieren, die Polizei zu rufen, oder während der Gerichtsverhandlung etwas zu sagen.

Und dann? Dann bleibt man entweder im Schmerz oder in der Wut stecken. Diese Gefühle prägen dann das Leben. Sie beeinflussen alle Erlebnisse und Beziehungen. Oft scheint sich die Person gar nicht mehr erinnern zu können, dass das Leben einmal anders aussah und sich vor allem anders anfühlte. Sind Sie schon einmal jemandem begegnet, der in der Wut steckengeblieben war? Wollten Sie Zeit mit diesem Menschen verbringen? Wahrscheinlich nicht. Diese Menschen sind normalerweise bitter und pessimistisch. Sie sehen nur das schlechte im Leben und in anderen Menschen. Sie kritisieren alles und jeden und finden auch an einem wunderschönen sonnigen Sommertag etwas auszusetzen. Sie haben keine wirklichen Freunde und können sich über nichts von Herzen freuen. Sie hegen ständig Rachegedanken und sehen auch in unschuldigen Missverständnissen böse Absichten. Aus Menschen, für deren Schicksal man Mitleid empfand, sind Menschen geworden, die keiner wirklich mag. Kennen Sie einen solchen Menschen? Sind Sie es vielleicht sogar selbst?

Dann gibt es diejenigen, die nach der Verletzung im Schmerz stecken bleiben. Sind Sie da schon einmal jemandem begegnet? Diese Menschen sind normalerweise deprimiert, depressiv, müde, und erschöpft. Und wenn man Zeit mit ihnen verbringen, fühlt man sich danach genauso. Sie sehen sich als ständige Opfer und haben das Gefühl, dass die Welt darauf aus ist, ihnen wehzutun oder ihnen weiteres Unrecht zuzufügen. Jedesmal wenn man ihnen vorschlägt, wie sie ihr Leben verbessern oder sich einfach nur besser fühlen könnten, dann antworten sie: „Ja, aber....“ Und beschreiben ausführlich, warum der Vorschlag sowieso nicht umsetzbar ist, warum deine Idee von Anfang an unsinnig war, und warum alle Versuche, etwas Freude in ihr Leben zu bringen, ganz sicher fehlschlagen werden. Nach einem solchen Gespräch fühlt man sich hilflos, frustriert, entmutigt und ausgelaugt und man hat das Gefühl im Bauch, dass diese Menschen sich nicht wirklich besser fühlen wollen, dass sie irgendwie ganz zufrieden sind in ihrer Misere. Kennen Sie einen solchen Menschen? Erkennen Sie sich in dieser Beschreibung?

Wenn jemand bitter, wütend und unglücklich ist und sich dann entscheiden würde, seine Rachegedanken loszulassen und zu vergeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihm wehgetan hat oder sich selbst? Und jemand, der traurig, unzufrieden, einsam und erschöpft ist – wenn er sich dazu entscheiden würde, die Opferrolle aufzugeben, würde er damit demjenigen helfen, der ihn zum Opfer gemacht hat oder sich selbst? Normalerweise weiss der Täter nicht einmal, dass die verletzte Person wütend oder traurig ist und falls er es weiss, dann betrifft es ihn oft wenig. Ein weiser Mensch sagte einmal, dass Rachegedanken wie ein Gift sind, das man selbst trinkt, in der Hoffnung, dass es den anderen umbringt. Leider vergiftet man damit nur sich selbst und sein Leben.

Um vergeben zu können, muss man sich erlauben, das Vergehen in einem größeren Zusammenhang zu betrachten. Was bewegte den Täter? Hat man selbst in irgendeiner Art und Weise zu der Tat beigetragen? Könnte ein Missverständnis zu der Tat beigetragen haben? Gibt es mildernde Umstände? Wiederholte der Täter etwas, das ihm angetan wurde? Diese Fragen und die entsprechenden Antworten entschuldigen weder den Täter noch die Tat. Was geschah, ist auch weiterhin falsch, ungerecht und schmerzhaft. Vergebung bedeutet weder, dass man die Tat vergisst noch dass man so tut, als ob sie nie geschehen sei. Man versucht auch nicht, die entsprechenden Reaktionen und Gefühle „wegzuerklären.“ Wenn man vergibt, dann trifft man die Entscheidung, sein Recht auf Rache nicht länger einzufordern. Man entscheidet sich lediglich, die verständlichen und gerechtfertigten Rachegedanken loszulassen, damit man nicht länger im Schmerz oder in der Wut steckenbleibt. Das eigene Leben wird dadurch besser. Dabei ist es eigentlich unwichtig, ob man dem Täter mitteilt, dass man ihm vergeben hat oder nicht. Vergebung ist ein einseitiger Prozess, eine Einbahnstrasse. Die Beziehung zum Täter wird durch das Vergeben nicht automatisch repariert. Wenn der Täter eine Strafe ableistet, bedeutet Vergebung nicht, dass die Strafe erlassen wird. Wenn es ein Urteil gab, dass den Täter schuldig sprach, dann bedeutet Vergebung nicht, dass er freigesprochen wird. Vergebung bedeutet, dass das Leben des Verletzten nicht mehr ausschliesslich von dem Bedürfnis bestimmt wird, dass der Täter den gleichen Schmerz empfindet, den der Verletzte spüren muss. (aus Maulende Rebellen, beleidigte Zicken)

Fuer Ihre Kinder ist es letztendlich wahrscheinlich weniger wichtig, wo sie aufwachsen als das ihre Eltern gluecklich sind. Studien zeigen immer wieder, dass das einer der wichtigsten Faktoren in der Erziehung ist. Wenn die Eltern mit dem eigenen Leben zufrieden sind und ohne Schuldgefuehle Grenzen setzen und auf das Verhalten der Kinder reagieren, dann ist das fuer die Kinder weniger traumatisch als in einer Familie aufzuwachsen, in der die Eltern ungluecklich sind und zwischen Ihnen staendige Spannung herrscht. Es ist darum wichtig, dass Sie Ihre Entscheidung nicht darauf basieren, dass Sie es Ihrer Familie schulden. Wenn Sie zurueck in die USA gehen, dann sollten Sie das nur tun, wenn Sie dort gluecklich sein koennen (und sich hoffentlich entscheiden, Ihrem Mann zu vergeben).

Eine Trennung ist immer traumatisch fuer Kinder, aber je gluecklicher die Eltern sind und je weniger Schuldgefuehle mitschwingen, desto schneller lernen die Kinder damit umzugehen. In anderen Worten: wenn Sie ungluecklich nach Amerika zurueckgehen, koennte das unter Umstaenden genauso traumatisch fuer Ihre Kinder sein wie eine Trennung.





Ich hoffe, dass meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht und Ihnen weiterhilft. Ansonsten beantworte natürlich auch gerne weitere Anschlussfragen. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Weisheit bei der Entscheidungsfindung.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze. Vielen Dank.

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