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InternetCoach
InternetCoach, Master
Kategorie: Allgemein
Zufriedene Kunden: 1449
Erfahrung:  Psychotherapeutin, Familientherapeutin, Drogenberatung
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Mein Lebensgefährte sieht sich seit einiger Zeit heimlich

Kundenfrage

Mein Lebensgefährte sieht sich

seit einiger Zeit heimlich Pornos an. Wir hatten vorher fast täglich Sex, seit der Zeit kommt es mir so vor als würde er aus Pflichtgefühl ab und an mit mir schlafen. Wie soll ich damit umgehen?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Beziehung
Experte:  InternetCoach hat geantwortet vor 4 Jahren.

Sehr geehrte/r Fragesteller/in,

vielen Dank für Ihre vertrauensvoll gestellte Frage. Sie beschreiben eine schwierige Situation. Es ist wahrscheinlich wichtig, das Thema ganz offen anzusprechen. Sexuelle Beduerfnisse und Vorlieben aendern sich mit der Zeit. Sie sagen nicht, wie lange Sie schon zusammen sind und wie alt Sie sind, aber beide diese Faktoren beeinflussen das Sexualleben eines Paares. Hormonveraenderungen, Medikamente, Krankheiten, Stress und vieles mehr beeinflussen das Sexualleben. Vielleicht hat Ihr Partner seit neuestem Probleme und es ist ihm peinlich, diese mit Ihnen anzusprechen.

 

In den meisten Fällen gibt es nicht eine einzige Ursache für das sexuelle Problem, sondern ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren. Daher ist es auch erforderlich, die Problematik von verschiedenen Perspektiven aus zu beleuchten: körperliche Gründe, psychologische Ursachen und soziale Faktoren.

Körperliche Ursachen sind Abweichungen des Körpers, die zu sexuellen Problemen führen können. Beispiele wären hormonelle Regulationsstörungen bei Erkrankungen oder auch Medikamente, die zu einem verringerten sexuellen Interesse führen.

Psychologische Faktoren wären Gefühle, Gedanken und Vorstellungen oder Erfahrungen, die sexuelle Probleme verursachen und unterhalten können. Dies können negative Gefühle oder Ängste und Schamgefühle gegenüber dem Partner sein, schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit oder auch Probleme und Ängste vor Grenzüberschreitungen bzw. Probleme angemessen seine Wünsche und Grenzen gegenüber dem Partner deutlich machen zu können.

Psychologische Erkrankungen wie Depressionen, Burnout oder Angststoerungen koennen ebenfalls zu sexuellen Problemen fuehren.

Soziale Faktoren können sich auf erlernte bzw. erworbene Werte und Normvorstellungen beziehen, die sie in der Kindheit beigebracht bekamen oder aber durch traumatische Erfahrungen geprägt wurden. Auch bestimmte Stressfaktoren wie z.B. Arbeitsplatzprobleme oder finanzielle Sorgen oder auch Streits können die sexuelle Funktionsfähigkeit beeinflussen.


Wenn Sie alleine nicht ueber dieses Thema sprechen koennen, sollten Sie eine Paartherapie in Erwaegung ziehen. Denn oft tragen Faktoren des taeglichen Lebens zu veraenderten sexuellen Beduerfnissen bei. Manchmal ist es auch das Beduerfnis eines Partners nach "Abwechslung" oder Variationen des bekannten Sexuallebens, die z.B. Pornographie, Bondage oder andere Elemente in das Sexualleben integrieren. Solange beide Partner darueber sprechen und bereit sind, diese Dinge auszuprobieren, stellt das in der Regel kein Problem dar. Nur wenn die unterschiedlichen Beduerfnisse zu Konflikten fuehren, dann werden sie zu einem Problem. Offenheit und Ehrlichkeit, so schwer das auch sein mag, sind in der Regel die beste Strategie.

EntsprechendePaartherapeuten finden Sie z.B. hier:

http://www.netzwerk-paartherapie.de/http://www.selbsthilfenetz.de

www.paartherapie.de




Es kann auch sein, dass Ihr Partner sexuelle Probleme hat, die er mit Pornographie versucht in den Griff zu bekommen. Eine Sexualberatung hilft dabei, den psychischen Ursachen sexueller Probleme auf den Grund zu gehen und diese nach Möglichkeit zu beseitigen. Aufgrund der starken Wechselwirkungen zwischen unserer Sexualität und der Psyche können Sexualtherapie und Psychotherapie häufig sogar bei rein organischen Beschwerden im Sexualbereich eine Verbesserung der Symptomatik erreichen.

Sexuelle Probleme sind in einem typischen Lebensverlauf keineswegs etwas Außergewöhliches: statistische Erhebungen deuten darauf hin, daß jeder Mensch im Verlauf seines Lebens zumindest 1x Schwierigkeiten sexueller Art haben dürfte! Um aber nicht womöglich jahrelang oder das ganze Leben lang darauf warten zu müssen, daß das Problem "wie von selbst" verschwindet, ist es ratsam, es nach einigen Wochen ohne deutliche Verbesserung ernst zu nehmen und sich ggf. Unterstützung durch einen Sexualtherapeuten zu holen.

Die häufigsten Beschwerden

  • sexuelle Lustlosigkeit (Appetenzstörung, Libidoverlust) - das Verlangen nach Sex wurde immer geringer oder ist gar nicht mehr vorhanden

  • sexuelle Hemmungen / Blockaden ('Sexual Shyness') - es bestehen Hemmungen oder Blockaden gegenüber dem eigenen oder dem anderen Körper, sexuelle Aktivitäten können aufgrund der Unsicherheiten nicht genossen werden

  • sexuelle Abneigung (sexuelle Aversion) - der Gedanke an Sex wird als unangenehm und abstoßend erlebt, "keine Lust auf Sex".

  • ausbleibender Orgasmus (Anorgasmie) oder Schwierigkeiten, einen Orgasmus zu erreichen

  • Orgasmus oder Samenerguß mit ausbleibender Befriedigung

  • sexuelle Wünsche oder auch Probleme, die in der Partnerschaft nicht angesprochen werden können

  • plötzlicher Erregungsabbruch

  • chronische Erektionsstörungen (Fachbegriff: erektile Dysfunktion, auch bekannt als Impotenz): der Penis wird nicht mehr (ausreichend) steif



Wirklich zufrieden mit ihrem sexuellen Leben sind nur wenige Menschen, und die Zahl der Unzufriedenen oder Enttäuschten nimmt tendentiell zu. Menschen, die längere Zeit hindurch keine oder nur defizitäre Sexualkontakte haben, empfinden i.a. weniger Lebensqualität, häufig geht sexuelle Unzufriedenheit auch mit Depressionen oder anderen psychischen Belastungen einher. Letztlich liegt es aber in den meisten Fällen an den Betroffenen, ob sie sich professionelle Unterstützung für ihre sexuellen Probleme suchen oder nicht. Da diese Probleme immer noch als "peinlich" empfunden werden, passiert dies jedoch verhältnismäßig selten: die überwiegende Mehrheit der Betroffenen leidet folglich jahrelang, ohne daß eine nachhaltige Veränderung erreichbar wäre.

Jene, die aber eine Sexualtherapie bei professionell arbeitenden SexualtherapeutInnen in Anspruch nehmen, erfahren zunächst eine diagnostische Abklärung der jeweiligen Beschwerden. Bleibt es lediglich beim Abfragen der Erscheinungsform(en), wie es mitunter bei nicht oder unzureichend ausgebildeten Sexualtherapeuten vorkommt, greift dies häufig zu kurz - und kann folglich zu ausbleibendem Therapieerfolg führen, da die eigentlichen Ursachen ggf. weitgehend unberührt bleiben. Häufig zeigt sich dies, wenn aufgrund einer rein psychischen Ursachensuche (=häufig bei BeraterInnen, PsychologInnen oder PsychotherapeutInnen) allzu schnell irgendwelche "Tipps" oder trickreich wirkende "Aufgaben" gegeben werden, oder (=häufig bei ÄrztInnen oder HeilpraktikerInnen) sofort Tabletten oder andere Substanzen verordnet werden.

Eine sexualtherapeutische Diagnose besteht aus

  • Sexualanamnese (Geschichte und Erfahrungen der eigenen sexuellen Entwicklung)

  • Familienanamnese (Beziehung zu Vater und Mutter und zu Geschwistern, Beziehung der Eltern, Vorbilder, Werte und Normen, Umgang mit Angst und Schuld, prägende Erlebnisse)

  • Fragen nach der aktuellen Beziehung (Kennenlernen, weiterer Verlauf, aktueller Stand)

  • Fragen nach dem aktuellen Sexualleben (Lust, Erregung, Kontakt, Orgasmus)

Körperliche Ursachen (z.B. hormonelle Störungen) kann man medikamentöse aber auch mit anderen Interventionen, bisweilen auch mit einer psychologischen Behandlung, therapieren. Psychologische Ursachen wie z.B. Ängste oder Depressionen werden mit spezielleren psychotherapeutischen Verfahren angegangen. Liegen die Probleme eher im familiären bzw. zwischenmenschlichen Bereich wird eine Familientherapie bzw. systememische Therapie vorgeschlagen. Bei Sexualstörungen wird normalerweise dabei der Partner mit in die Behandlung einbezogen.

Wichtig ist ein integrativer Ansatz,der z.B. Elemente verschiedener Therapieformen vereint:Gespräch e, Wahrnehmungserweiterung, Körpertherapie, Verhaltenstherapeutische Interventionen, Systemische Ansätze, ganzheitliche Therapien mit tiefenpsychologischer Ausrichtung wie z.B. Gestalttherapie, Paartherapie, Tantrischer Ansatz. Die Voraussetzung für eine gelingende therapeutische Arbeit bildet die vertrauensvolle Beziehung und der gute Kontakt zwischen Berater und Klient.

Hier finden Sie eine Liste von Sexualtherapeuten:

http://www.netzwerk-sexualtherapie.de/organisation/php/liste_behandler.php

http://www.therapeutenfinder.com/therapeuten/

http://www.impotenz-selbsthilfe.de/info/beratung.html

Es ist schwer aus der Ferne mit begrenzter Information genau zu sagen, was zu dem veraenderten Verhalten Ihres Partners fuehrt, darum waere nach einem offenen Gespraech eine genaue Diagnostik durch einen kompetenten Sexualtherapeuten der naechste Schritt. Auch ein Besuch beim Hausarzt, um Hormonspiegel und moegliche koerperliche Probleme untersuchen zu lassen (und vielleicht auch Depressionen auszuschliessen) waere wahrscheinlich ein hilfreicher erster Schritt.

 

 



Ich hoffe, dass Ihnen meine Antwort in ihrer Kürze geholfen hat und beantworte auch gerne eine Anschlussfrage. Ich wünsche Ihnen viel Mut und Erfolg bei den nächsten Schritten.

Mit freundlichem Gruß,

Annegret Noble

Meine Ausführungen und Meinungen ersetzen keine psychologische Diagnostik oder Therapie. Sie beinhalten nur Hilfestellungen, Vorschläge und Lösungsansätze.

Wenn meine Antwort Ihren Vorstellungen entspricht, bitte ich Sie, nicht zu vergessen das Honorar (durch Anklicken von "Akzeptieren") anzuweisen. Vielen Dank.

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