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RASchiessl
RASchiessl, Rechtsanwalt
Kategorie: Recht & Justiz
Zufriedene Kunden: 26855
Erfahrung:  Vertragsanwalt des Bayerischen Wohnungs- und Grundeigentümerverbandes Regensburg
32916861
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RASchiessl ist jetzt online.

Nachbarrecht - ein 40 Jahre alter ca 10 m hoher Walnußbaum

Kundenfrage

Nachbarrecht - ein 40 Jahre alter ca 10 m hoher Walnußbaum (Stamm-Umfang 2,80 m) steht 2 m neben der Nachbargrenze und ragt mit seinen Ästen (Baumkrone) 3-4 m hinüber. Die Nachbarn klagten auf Rückschnitt der Äste wegen Schattenwurf, Laubfall und Gefahr bei starkem Sturm, Rückschnitt bis zur Grundstücksgrenze und bekamen per Gericht Recht. Natürlich kürzen wir die Äste, fragen uns aber, warum. Ein Sachverständiger hatte den Überhang als nicht relevant oder störend bezeichnet, auch der Schatten zeigt sich bei Sonnenschein von 12-13 Uhr, weil rundherum Gebäude stehen, die den Rest des Tages Schatten spenden. Die Richterin ging nicht auf die Höhe des Baumes ein, auf das Alter, ob wir dem Baum Schaden zufügen, Wir möchten unseren Baum schützen und werden gegen die Entscheidung klagen, haben wir eine Chance ?
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Recht & Justiz
Experte:  RASchiessl hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Anfrage.

Sie sagen, dass ein Sachverständiger den Baum begutachtet hatte.

Können Sie mir sagen, ob der Baum durch den Rückschnitt zerstört werden würde?

Mit freundlichen Grüßen

Hans-Georg Schiessl Rechtsanwalt
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.

Danke - nein, der Baum wurde durch den Rückschnitt nicht zerstört, es waren kleine Äste, die im Frühjahr an den Schnittstellen wieder Triebe bildeten und stärker wurden

Experte:  RASchiessl hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrter Ratsuchender,

vielen Dank für Ihre Ergänzung.

Zur Sache:

Das bloße Hinüberwachsen von Zweigen berechtigt Ihren Nachbarn noch zu keinen Abwehrmaßnahmen gemäß § 910 BGB, § 1004 BGB. Voraussetzung ist vielmehr eine konkrete Beeinträchtigung der Grundstücksnutzung (§ 910 Abs. 2 BGB)(So LG Kleve, Urteil v. 13.10.1982, 3 S 203/81, MDR 1982, 230; LG Hannover, Urteil v. 25.3.1988, 10 S 89/87, NuR 1990, 45; OLG Oldenburg, Urteil v. 25.7.1990, 4 U 89/89, NJW-RR 1991, 1367.)

Ihr Nachbar bringt als Beeinträchtigungen Schattenwurf, Laubfall und eine generelle Gefahr bei Unwetter vor.

Nun wird der Schattenwurf, sofern er denn vorhanden ist nicht durch die überhängenden Äste sondern durch den Baum selbst oder wie Sie angeben durch die umstehenden Häuser ausgehen. Der Schattenwurf durch den Baum selbst berechtigt jedoch nicht zum Rückschnitt (So LG Hannover, Urteil v. 25.3.1988, 10 S 89/87, NuR 1990, 45; OLG Oldenburg, Urteil v. 25.7.1990, 4 U 89/89, NJW-RR 1991, 1367; OLG Köln, Urteil v. 22.5.1996, 11 U 6/96, NJW-RR 1997, 656.)

Auch der bloße Laubfall berechtigt nicht zum Rückschnitt.

Der Laubfall ist vom Nachbarn grundsätzlich hinzunehmen.

Nur in extremen Ausnahmefällen, bei denen es sich etwa um den erhöhten Laub- oder Nadelfall von kranken oder auf einem verwilderten Grundstück stehenden Bäumen handelt, könnte eine Klage gegen den Nachbarn unter Umständen Erfolg haben (So OLG Nürnberg, Urteil v. 25.5.1971, 7 U 29/70, RdL 1972, 36, von welchem allerdings ein Entschädigungsanspruch aus rechtstatsächlichen Gründen abgelehnt wurde; LG Stuttgart, Urteil v. 16.7.1985, 27 O 310/85, NJW-RR 1985, 2340; OLG Frankfurt/M., Urteil v 14.7.1987, 14 U 124/86, NJW 1988, 2618).

Auch die allgemeine Gefahr des Umsturzes oder herabfallender Äste bei einem Umwetter ist nicht ausreichend. Erforderlich ist eine konkrete Gefahr. Diese ist zum Beispiel anzunehmen, wenn Äste morsch sind, so dass damit zu rechnen ist, dass sie herunterfallen und einen Menschen verletzen oder Sachschaden anrichten.

Insgesamt sehe ich hier keine erforderliche konkrete Beeinträchtigung des Nachbarn, so dass Sie in der Berufung durchaus mit einer anderen Beurteilung rechnen und somit Erfolg haben können.




Wenn Sie weitere Fragen haben, dann fragen Sie gerne nach.

Ansonsten bitte ich Sie höflich meine Antwort positiv zu bewerten und damit das ausgelobte Honorar freizugeben.




Mit freundlichen Grüßen

Hans-Georg Schiessl
Rechtsanwalt