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ra-huettemann
ra-huettemann, Rechtsanwalt
Kategorie: Recht & Justiz
Zufriedene Kunden: 22887
Erfahrung:  Staatsexamen Zulassung als Rechtsanwalt
42903605
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ra-huettemann ist jetzt online.

Wie kann man der noch einj hrig anh ngigen Berufsschulfplicht

Beantwortete Frage:

Wie kann man der noch einjährig anhängigen Berufsschulfplicht in Bayern entgehen? Unsere Tochter ist nun 18 geworden, hat ihren Qualifizierten Hauptschulabschluss gemacht und 11 Jahre Schule durch 2xiges Wiederholen hinter sich gebracht. Den M-Zweig in der Mittelschule hier an unserem Ort, um die Mittlere Reife noch zu erwerben, hat sie nun *geschmissen*. Daraufhin wurde uns mitgeteilt, dass sie noch 1 Jahr Berufsschule absolvieren muss, obwohl es für ihren Berufswunsch (Fotografin) hier keinen Zweig gibt.
Sie würde dieses Jahr quasi *absitzen* müssen und für ihren angestrebten Weg würde es nichts bringen.
Meine Frage wäre: Würde ein staatlich anerkanntes Fernstudium, um beispielsweise die *Mittlere Reife* zu erwerben oder meinetwegen auch eine Ausbildung zur Fotografin (wie es beispielsweise die *Sudiengemeinschaft Darmstadt*, kurz sgd anbietet) greifen und hier als *gleichwertig* anerkannt werden?
Oder würde es sie entbinden, wenn sie eine Vollzeitarbeitsstelle finden würde, dann eben etwas für Ungelernte?
Sie möchte nicht untätig zu Hause sitzen, aber eben sich auch nicht in eine Berufsschule setzen müssen, die für ihre kreative Richtung überhaupt nicht ausgelegt ist.
Was für Möglichkeiten gibt es für meine Tochter dieses letzte, gesetzliche Jahr zu umschiffen? Vielen Dank XXXXX XXXXX für Ihren Rat!
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Recht & Justiz
Experte:  ra-huettemann hat geantwortet vor 6 Jahren.
Sehr geehrte(r) Ratsuchende(r),

vielen Dank für Ihre Anfrage, zu der ich gern wie folgt Stellung nehme.

Eine Befreiung von der Berufsschulpflicht kommt unter den Voraussetzungen des Artikel 39 Absätze 3 und 4 BayEUG in Betracht.

Zu Ihrem besseren Verständnis stelle ich Ihnen die Bestimmung nachfolgend im Wortlaut ein:

(3) 1 Vom Besuch der Berufsschule befreit ist, wer
1.
in den Vorbereitungsdienst einer Laufbahn des mittleren Dienstes eingestellt wurde,
2.
der Bundeswehr, der Bundespolizei oder der Bayerischen Bereitschaftspolizei angehört,
3.
ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr ableistet,
4.
ein Berufsvorbereitungsjahr, das Berufsgrundschuljahr, ein Vollzeitjahr an einer öffentlichen oder staatlich anerkannten Berufsfachschule oder einen einjährigen Vollzeitlehrgang, der der Berufsvorbereitung dient, mit Erfolg besucht hat,
5.
den mittleren Schulabschluss erreicht hat,
6.
von der Berufsschule nach Art. 86 Abs. 4 Satz 2 entlassen ist.

2 Absatz 2 bleibt unberührt.

(4) 1 Berufsschulpflichtige ohne Ausbildungsverhältnis können allgemein oder im Einzelfall vom Besuch der Berufsschule befreit werden

1.
bei einem Besuch von Vollzeitlehrgängen, die der Vorbereitung auf staatlich geregelte schulische Abschlussprüfungen dienen,
2.
nach elf Schulbesuchsjahren, wenn ein Beschäftigungsverhältnis besteht,
3.
bei Vorliegen eines Härtefalls.
Im Falle Ihrer Tochter dürften insbesondere die Befreiungstatbestände des Absatzes 4 (Nr. 1 und 3) in Betracht kommen, da sie einen mittleren Schulabschluss noch nicht erreicht hat (Absatz 3).

Es wäre daher zu überlegen, ob Ihre Tochter einen Vollzeitlehrgang nach Absatz 4 Nr. 1 absolvieren könnte. Hierzu sollten Sie das klärende Gespräch mit einem Berufsberater suchen. Ist dies nicht möglich, so besteht die Mglichkeit, eine bsondere Härte nach Absatz 4 Nr. 3 geltend zu machen.


Ich hoffe, Ihnen behilflich gewesen zu sein. Machen Sie bei Unklarheiten gerne von Ihrem Nachfragerecht Gebrauch. Haben Sie keine Nachfrage, darf ich höflichst um Akzeptierung bitten. Beachten Sie bitte, dass kostenlose Rechtsberatung nach zwingendem Recht nicht gestattet ist. Sie akzeptieren, indem Sie das grüne Feld „Akzeptieren“ anklicken.

Mit freundlichen Grüßen
Kristian Hüttemann
Rechtsanwalt
Experte:  ra-huettemann hat geantwortet vor 6 Jahren.
Haben Sie hierzu noch eine Nachfrage? Ist das nicht der Fall, darf ich höflichst um Akzeptierung bitten.

Mit freundlichen Grüßen
Kristian Hüttemann
Rechtsanwalt
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Sehr geehrter Herr Ra Hüttemann,

 

vielen Dank für die ausführliche Information!

Zwei Fragen hätte ich hierzu noch: Wie ist ein *Beschäftigungsverhältnis* definiert?

Würde ein 400/401 € Job genügen oder ist ein Vollzeitbeschäftigunsverhältnis damit gemeint?

 

Wie müsste ich vorgehen, um eine *besonderte Härte* nach Absatz 4, Nr. 3 geltend zu machen, sollten wir dies in Erwägung ziehen wollen?

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Beate Gumann

Experte:  ra-huettemann hat geantwortet vor 6 Jahren.
Vielen Dank für Ihren Nachtrag.

Ein Beispiel für einen Vollzeitlehrgang der angesprochenen Art finden Sie etwa hier:

http://www.doepfer-schulen.de/index.php5?standort=nuernberg&drucken=1&menu=160

Wenn der 400-Euro-Job auch die Voraussetzungen des Absatzes 3 Nr. 1 erfüllt, wäre auch dies möglich. Dies hängt aber von der Art der Tätigekeit ab. Verbindliche Einzelheiten kann Ihnen hier nur der Berufsberater mitteilen.

Eine besondere Härte liegt im Falle Ihrer Tochter an sich nahe, denn es wäre ihr kaum zuzumuten, ein Jahr an der Berufsschule zu verbringen, wenn dies für den von ihr angestrebten Beruf in keiner Hinsicht förderlich wäre. Dann wäre die Verpflichtung zum weiteren Berufsschulbesuch mit den berechtigten Interessen und Belnagen Ihrer Tochter nicht mehr vereinbar. Ihre besondere Situation gebietet es vielmehr, unter Einbindung eines Berufsberaters nach Alternativen Ausschau zu halten, die für Ihre Tochter und deren weiteren Ausbildungsweg auch Sinn machen. Insoweit liegt hier ein besonderer Härtefall vor, der ein Absehen von der Berufsschulpflicht verlangt.

Mit freundlichen Grüßen
Kristian Hüttemann
Rechtsanwalt
ra-huettemann und 3 weitere Experten für Recht & Justiz sind bereit, Ihnen zu helfen.