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Rechtsanwalt Christian Joachim
Rechtsanwalt Christian Joachim, Rechtsanwalt
Kategorie: Recht & Justiz
Zufriedene Kunden: 2922
Erfahrung:  Staatsexamen, Zulassung als Rechtsanwalt, Mediator
30639152
Geben Sie Ihre Frage in der Kategorie Recht & Justiz hier ein
Rechtsanwalt Christian Joachim ist jetzt online.

hallo. mein name ist oliver toktasch ich studiere in berlin

Kundenfrage

hallo.

mein name ist oliver toktasch ich studiere in berlin an der schauspielschule charlottenburg
und hab dort im rahmen meiner diplomarbeit ein theaterstück, von XXXXX XXXXX,"waisen", inszeniert.

die rechte an dem stück vertritt der rohwolt verlag rheinbeck, hamburg. bei meiner diplomarbeit ist ein 80 min. theaterfilm entstanden und eine 70 min. theaterinszenierung welche ich aber auf anfrage beim verlag nicht öffentlich zeigen darf da sie schon ein anders theater in berlin für das stück vorgesehen haben.

das problem ist ich werde es sowieso zeigen müssen, auch öffentlich und zwar am 11.12.2010 und am 12.12.2010 im theater meiner schule (theaterwerkstatt, otto-suhr-allee 94, berlin-charlottenburg). ich hab vor dem probenprozess unserem schulleiter versichert das das mit den rechten kein problem ist und steh schon im spielplan drin der bereis 1000 mal gedruckt und verschickt wurde an freunde und förderer
der schauspielschule. es gibt kein zurück mehr was das angeht.

gibt es die möglichkeit die vorstellungen als irgendwie "privat" zu bezeichnen das man die rechtegenehmigung ungehen kann. oder vielleicht kann man sich auf die kunstlerische freiheit berufen und mit welchem strafmaß und in welcher form würde sich dieses gestalten, muss man rechnen.das sind so die fragen die ich stelle.

der film soll auch zur berlienale geschickt werden in den wettbewerb. da der 1. nov.der eingangsschluss für filme unserer art bedeutet muss in dieser frage auch eine entscheidung getroffen werden. welche strafen können in diesem bereich auf mich zukommen?

außerdem wäre all die arbeit und auch das viele geld das wir in das projekt gesteckt haben nicht ansatzweise refinanzierbar wenn wir das stück nicht trotzdem zeigen in theatern und kinos in berlin.

hoffe auf hilfe.

gruß oliver toktasch
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Recht & Justiz
Experte:  Rechtsanwalt Christian Joachim hat geantwortet vor 6 Jahren.

Sehr geehrter Herr Toktasch,

Vielen Dank für Ihre Anfrage und das damit entgegengebrachte Vertrauen.

In der Tat ist die Situation der sie sich befinden problematisch, was unter anderem auch daher rührt, als dass vor Beginn der Projektarbeit gegebenenfalls eine rechte Recherche hier Abhilfe geschaffen hätte.

Nunmehr dürfte es sehr schwierig werden, eine legale Möglichkeit zu finden, die von Ihnen genannten Stücke öffentlich aufzuführen.

Sofern ein Recht bei dem Verlag für das Stück besteht, so entspricht dies grundsätzlich hier den Urheberrechten und den daraus resultierenden Verwertungsrechten am Stück.

Diese Rechte wurden vom Urheber dem Verlag eingeräumt. Die weitere Bearbeitung Ihrer Frage setzt voraus, dass diese Berechtigung auch rechtlich einwandfrei erfolgt ist und ein Recht tatsächlich besteht.

Helfen könnten hier die Schranken des Urheberrechts, insbesondere der nachfolgende

§ 52 Öffentliche Wiedergabe

(1) Zulässig ist die öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes, wenn die Wiedergabe keinem Erwerbszweck des Veranstalters dient, die Teilnehmer ohne Entgelt zugelassen werden und im Falle des Vortrags oder der Aufführung des Werkes keiner der ausübenden Künstler (§ 73) eine besondere Vergütung erhält. Für die Wiedergabe ist eine angemessene Vergütung zu zahlen. Die Vergütungspflicht entfällt für Veranstaltungen der Jugendhilfe, der Sozialhilfe, der Alten- und Wohlfahrtspflege, der Gefangenenbetreuung sowie für Schulveranstaltungen, sofern sie nach ihrer sozialen oder erzieherischen Zweckbestimmung nur einem bestimmt abgegrenzten Kreis von Personen zugänglich sind. Dies gilt nicht, wenn die Veranstaltung dem Erwerbszweck eines Dritten dient; in diesem Fall hat der Dritte die Vergütung zu zahlen.

(2) Zulässig ist die öffentliche Wiedergabe eines erschienenen Werkes auch bei einem Gottesdienst oder einer kirchlichen Feier der Kirchen oder Religionsgemeinschaften. Jedoch hat der Veranstalter dem Urheber eine angemessene Vergütung zu zahlen.

(3) Öffentliche bühnenmäßige Darstellungen, öffentliche Zugänglichmachungen und Funksendungen eines Werkes sowie öffentliche Vorführungen eines Filmwerks sind stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

Allerdings schreibt hier auch Abs. 3 vor, dass die Einwilligung des Berechtigten erforderlich ist.

Auch der

§ 52a Öffentliche Zugänglichmachung für Unterricht und Forschung

(1) Zulässig ist,

1.

veröffentlichte kleine Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften zur Veranschaulichung im Unterricht an Schulen, Hochschulen, nichtgewerblichen Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung sowie an Einrichtungen der Berufsbildung ausschließlich für den bestimmt abgegrenzten Kreis von Unterrichtsteilnehmern oder

2.

veröffentlichte Teile eines Werkes, Werke geringen Umfangs sowie einzelne Beiträge aus Zeitungen oder Zeitschriften ausschließlich für einen bestimmt abgegrenzten Kreis von Personen für deren eigene wissenschaftliche Forschung

öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies zu dem jeweiligen Zweck geboten und zur Verfolgung nicht kommerzieller Zwecke gerechtfertigt ist.

(2) Die öffentliche Zugänglichmachung eines für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werkes ist stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig. Die öffentliche Zugänglichmachung eines Filmwerkes ist vor Ablauf von zwei Jahren nach Beginn der üblichen regulären Auswertung in Filmtheatern im Geltungsbereich dieses Gesetzes stets nur mit Einwilligung des Berechtigten zulässig.

(3) Zulässig sind in den Fällen des Absatzes 1 auch die zur öffentlichen Zugänglichmachung erforderlichen Vervielfältigungen.

(4) Für die öffentliche Zugänglichmachung nach Absatz 1 ist eine angemessene Vergütung zu zahlen. Der Anspruch kann nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden.

Auch hier wird wiederum eine Einwilligung vorausgesetzt.

Es wäre sodann gegebenenfalls zu prüfen, ob hier die Kunstfreiheit alleine gebietet, eine entsprechende Aufführung zu ermöglichen. Dabei dürfte es darauf ankommen, inwieweit das ursprüngliche Werk durch ihre künstlerische Tätigkeit abgeändert worden ist. Dies dürfte im übrigen auch eine umfangreicheren Prüfung als lediglich im Rahmen dieser Beratung bedürfen.

Ansonsten könnte einer Aufführung hier durchaus die Urheberrechte des Rechtsinhabers verletzen, wonach hier das Urhebergesetz die in den §§ 106ff. festgelegten Bußgelder und Strafen vorsieht. Dies können Geldstrafen, ab auch Freiheitsstrafen sein. Wobei ich davon ausgehe dass es sich lediglich um eine Geldstrafe handeln dürfte.

Empfindlicher könnten jedoch gegebenenfalls Lizenzschaden Forderungen aufgrund der Rechteverletzung sein, wie hier durchaus mehrere 1000 € betragen könnten.

Gerne möchte ich Ihnen weiterhin zur Verfügung und hoffe Ihnen zunächst hilfreich geantwortet zu haben.

Insgesamt empfehle ich Sie dringend nochmals mit dem Verlag Kontakt aufzunehmen und dafür Sorge zu tragen, dass lediglich ein geschlossener Kreis von Zuschauern die Aufführung sieht. Andererseits wäre eben zu begutachten, inwiefern hier die Kunstfreiheit das Urheberrecht überlagern würde.

Viele Grüße

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