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Tobias Rösemeier
Tobias Rösemeier, Rechtsanwalt
Kategorie: Recht & Justiz
Zufriedene Kunden: 16814
Erfahrung:  seit 1995 als selbständiger Rechsanwalt tätig.
37896974
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Tobias Rösemeier ist jetzt online.

hallo, ich bin Zahnarzthelferin, wir haben keinerlei Tarifvertr ge,

Kundenfrage

hallo, ich bin Zahnarzthelferin, wir haben keinerlei Tarifverträge, keine Vereinbarungen, nicht mal einen Arbeitsvertrag von einem Nachfolger des Chefs, der am 1.1.07 die Praxis übernommen hat. Der macht nun, mehr oder weniger, was er will nach seinem Gutdünken. Wir arbeiten am Ostersonntag und - Montag wie die Blöden 5, bzw 6 Stunden Notdienst pro Tag, dazu Bereitschaftsdienst von 0.00 Uhr bis 0.00 Uhr. Die Vergütung des Chefs ist je 1 Urlaubstag für Sonntag und Montag. Das kann es doch wohl nicht sein! Gibt es denn keine Regelung, gesetzlich wenigstens, wie wir irgendwie auf etwas kommen können, das einem Tarifvertrag nahe kommt? Ich habe seit 2004 keine Lohnerhöhung erhalten, mein Chef meint nur, das muß ich alles ihm überlassen, wie er gerade aufgelegt ist oder so, das kann es doch wohl nicht sein, bitte helfen Sie mir.
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Recht & Justiz
Experte:  Danjel Newerla hat geantwortet vor 6 Jahren.

Sehr geehrte Ratsuchende,


vielen Dank für Ihre Anfrage!

 

Nachfolgend möchte ich zu Ihren Fragen sehr gerne wie folgt Stellung nehmen:



Ja, Sie haben in der Tat eine Handhabe und ihr neuer Chef kann nicht machen was er möchte. Nach ihrer Sachverhaltsschilderung hat nämlich lediglich der Inhaber gewechselt, so dass es sich um einen so genannten Betriebsübergang handelt.



Paragraph 613 a BGB schreibt insoweit vor, dass hierdurch keine Schlechterstellung für den jeweiligen Arbeitnehmer erfolgen darf und der alte Arbeitsvertrag für sie weitergilt. Sie können sich also auf den alten Arbeitsvertrag berufen.



Ich hoffe, dass Ihnen meine Ausführungen geholfen haben. Sie können mich natürlich gerne über meine E-Mail-Adresse oder die Nachfrageoption mit mir Verbindung aufnehmen.

Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Donnerstagnachmittag!


Mit freundlichem Gruß von der Nordseeküste

Dipl.-Jur. Danjel-Philippe Newerla, Rechtsanwalt

Heilsbergerstr. 16
27580 Bremerhaven [email protected]
Tel. 0471/3088132
Fax.0471/57774


Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Sorry, ich danke XXXXX XXXXX für diese Antwort, nur hilft sie mir nicht weiter. Denn in dem übernommenen Arbeitsvertrag steht auch nichts definitives. Weder etwas über Gehaltserhöhungen, noch über Mehrarbeitsregelung ( hier speziell bei uns Notdienst), es steht nichts über Urlaubsansprüche noch sonst etwas. Darüber bräuchte ich bitte eine Info,ob es zumindest und wenn ja wo, gesetzliche Regelungen gibt.

z.B. das Land Nordrhein-Westphalen oder andere Bundesländer haben sogar einen Tarifvertrag für Zahnarzthelferinnen, wir haben eben gar nichts, wie soll man da arbeiten? Bitte helfen Sie mir. Ich bin seit 14 Jahren in dieser Praxis, bin sogar die Verwaltungshelferin, ich denke, mein Chef braucht mich schon, aber ich komme mir vor, wie ein armer Hund, der keine Rechte hat. Ich muß ihm so quasi in den Hintern kriechen, um irgendwas zu bekommen, was andere Arbeitnehmer geregelt haben gesetzlich. Das ist sehr erniedrigend.

Experte:  Danjel Newerla hat geantwortet vor 6 Jahren.
Sehr geehrte Ratsuchende, vielen Dank für Ihre Nachtrag. Ich kann sie sehr gut verstehen und möchte Ihnen sehr gerne helfen und ihnen die entsprechenden Informationen zukommen lassen.

Mit der Mehrarbeit also den Überstunden ist es so, dass diese grundsätzlich nur dann von ihnen verlangt werden können, wenn es ein dringendes betriebliches Erfordernis (also eine extreme Arbeitsauslastung des Betriebes) gibt. Ansonsten sind sie hierzu nicht verpflichtet. Sollte dieses bei ihnen der Regelzustands seien, so bräuchten sie dieser Überstunden nicht zu leisten, da es hier sich schlichtweg um Personalmangel handeln würde.

Dieses ergibt sich nicht direkt aus dem Gesetz, sondern es wurde von der Rechtsprechung insbesondere des Bundesarbeitsgerichts entwickelt.

Mit dem Urlaub ist es so, dass sie nach dem Gesetz wenn nichts anderes vereinbart ist einen Anspruch auf mindestens 24 Werktage Urlaub im Jahr haben. Dies steht im Bundesurlaubsgesetz.

Sofern es keinen Tarifvertrag gibt es für sie das Gesetz maßgeblich.Sie sind die keinesfalls machtlos. Ich möchte Sie in diesem Zusammenhang kurz da rüber informieren, dass die Arbeitsgerichte extrem Arbeitnehmer freundlich sind und Arbeitgeber erst von vornherein vor Gericht schwer haben. Dieses ist ein Umstand, den sie im Hinterkopf haben sollten. Kein Arbeitgeber möchte es riskieren vors Arbeitsgericht gebracht zu werden.

Sie sollen Ihren Arbeitgeber jetzt nicht unter Druck setzen aber sie konnten dieses natürlich in einer Argumentation anbringen.

Einen gesetzlichen Anspruch auf Gehaltserhöhung gibt es leider nicht. Sie haben allerdings einen Anspruch auf die ortsübliche angemessene Vergütung. Sofern ihre derzeitige Vergütung unter der ortsüblichen angemessenen Vergütung liegt haben sie einen Anspruch auf Angleichung. Nachfolgend habe ich in einem sehr interessanten Link zu diesem Thema beigefügt:

http://hr.monster.de/11596_de-AT_p1.asp


Ich hoffe ihnen geholfen zu haben und wünsche Ihnen noch alles Gute!
Sofern Sie mit meiner Antwort zufrieden waren seien Sie bitte so nett und akzeptieren Sie diese bitte noch kurz.


Mit freundlichem Gruß von der Nordseeküste

Dipl.-Jur. Danjel-Philippe Newerla, Rechtsanwalt

Heilsbergerstr. 16
27580 Bremerhaven [email protected]
Tel. 0471/3088132
Fax.0471/57774
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

dankeschön,aber ich habe dazu noch detaillierte Fragen. Diese Mehrarbeit ist bei uns ganz normaler Alltag, weil es sich um eine Zahnarztpraxis handelt. Muß der Arbeitgeber diese Überstunden bezahlen? Er meint nämlich, wenn es sich nur um eine halbe Stunde jeden Tag handelt, müsse er das nicht vergüten.

Und dann die Mehrarbeit von der ich an sich spreche, sind Notdienste, zu denen unsere Praxis eingeteilt wird, normalerweise 1x im Jahr. Das sind dann entweder Samstag und Sonntag oder irgendwelche Feiertage. Dieses Jahr hatten wir am Ostersonntag und Ostermontag Dienst in der Praxis 5 Stunden bzw.6 Stunden und in der übrigen Zeit von 0.00 Uhr bis 0.00 Uhr Bereitschaftsdienst zu Hause. Die Vergütung stellt sich so dar, daß ich für diese beiden Tage 2 Tage Urlaub bekomme. Ein Arbeitstag wird mit 7 Stunden angesetzt. Laut alten Tarifverträgen, die Zahnärzte allerdings nicht für bindend halten, steht z.b. für Ostern ein Zuschlag von 100 %. Es gibt auch Tarifverträge in anderen Bundesländern, nur für uns in Bayern nicht. Ich bin aber verpflichtet, diesen Notdienst zu tätigen. Ich danke XXXXX XXXXX ganz herzlich für Ihre Antwort, ich weiß nämlich wirklich nicht mehr, an wen ich mich wenden kann, um Recht oder zumindest eine richtige Aussage zu bekommen, um meinen Chef überzeugen zu können.

Ganz lieben Gruß

Experte:  Tobias Rösemeier hat geantwortet vor 6 Jahren.
Liebe Fragestellerin,
ich erlaube mir, mich Ihrer Frage anzunehmen und beantworte diese anhand des von Ihnen geschilderten Sachverhalts wie folgt:
Die Anstellung in einer Zahnartzpraxis geht naturgemäß mit regelmäßigen und vielen Überstunden einher, wobei die Bezahlung eher mager ausfällt, so kann ich Ihre Enttäuschung durchaus gut verstehen.
Dass Sie seit 2004 keine Gehaltserhöhung erhalten haben, ist bedauerlich, allerdings tatsächlich Verhandlungsgeschick, denn ein Anspruch ohne Tarifvertrag auf eine Gehaltserhöhung besteht nicht.
Ihre Arbeitszeit ist geregelt durch das Arbeitszeitgesetz. Eine entsprechende Vereinbarung über die Ableistung von Überstunden und deren Vergütung existiert so wie ich Sie verstanden habe, bedauerlichweise nicht.
Die tägliche Arbeitszeit darf 8 Stunden nicht überschreiten (§ 3 Arbeitszeitgesetz), wobei hier der Samstag als Werktag mit dazuzählt, so dass die Höchstwochenarbeitszeit 48 Stunden beträgt. § 22 und § 23 Arbeitszeitgesetz regeln, dass bei Verstößen hiergegen, Bußgelder erhoben werden können (gegen den Arbeitgeber). Es gibt auch eine Aufsichtsbehörde, diese wird durch Landesverordnung geregelt.
Aus rechtlicher Sicht, ist es allerdings im nachhinein extrem schwierig, geleistete Überstunden geltend zu machen. Sie müssen genau anhand einer Aufstellung nachweisen, wann und wie lange Sie gearbeitet haben, warum Überstunden geleistet wurden, von wem diese angeordnet wurden und diese entweder zeugenschaftlich belegen oder aber und das ist wesentlich besser, sich die Überstunden vom Chef abzeichnen lassen. Nur dann haben Sie eine Möglichkeit, Ihre Ansprüche vor dem Arbeitsgericht durchzusetzen.
Wenn Sie, wie Sie vorgetragen haben, am Ostersonntag gearbeitet haben, steht Ihnen zumindest in der Woche darauf ein Ruhetag zu. Dies ist ebenfalls im Arbeitszeitgesetz geregelt.
Sie sollten die Ableistung des Notdienstes davon abhängig machen, dass Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Vereinbarung über eine angemessene Entlohnung bzw. angemessene Freitage als Ausgleich dafür erhalten.
Bedauerlichweise gibt es in Bayern keinen gültigen Tarifvertrag. Allerdings gibt es auch in Bayern eine Gewerkschaft für Zahnarzthelferinnen. Diese erreichen Sie über die Internetseite www.praxisfit.de. Vielleicht können Sie sich von dort auch noch weitere Unterstützung holen.
Oftmals ist es, dass man als Arbeitgeber erst erfährt, was man wirklich an seinen Angestellten hat, wenn diese nicht mehr für einen arbeiten. Ich befürchte so wird es eines Tages auch einmal Ihrem Chef gehen, wenn Sie die Arbeitsbedingungen nicht weiter akzeptieren können, was durchaus verständlich und nachvollziehbar ist.
Ich hoffe, Ihnen weitergeholfen zu haben und stehe für Rückfragen zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

sehr geehrter Herr Rösemeier,

ich danke XXXXX XXXXX herzlich für die ausführliche Information.

Ich werde mal versuchen über die Internetadresse der Gewerkschaft mehr Info zu bekommen. Noch eine Frage hätte ich bitte an Sie. Es ist so, daß ich nur Teilzeit arbeite. In dem alten Vertrag von meinem vorigen Chef, der ja noch immer Gültigkeit hat, stehen 32 Wochenstunden drin. Ich nehme mal an, daß dann die Überstunden ab diesen 32 Stunden beginnen oder nicht ? Ich möchte eigentlich nicht meine Anstellung kündigen oder zum Arbeitsgericht gehen, sondern nur dem Chef diese Dinge darlegen,da er der Meinung ist, weil er immernoch keinen Arbeitsvertrag mit mir ausgehandelt hat, bin ich auf sein Gutdünken angewiesen, womit er ja recht hat, irgendwie. Ich denke mal, daß er nicht gern auf meine Mitarbeit verzichten möchte, aber ich habe da auch nicht so gute Karten mit einer Küncigung, weil ich nämlich schon seit 14 Jahren in dieser Praxis arbeite und 49 bin. Da etwas anderes zu finden, ist, auch wenn man gute Arbeit leistet, was er auch weiß, nicht ganz so einfach. Also rechnet er natürlich damit, daß er in dieser Hinsicht mit mir spielen kann.

Danke XXXXX XXXXX bekomme ich ja noch eine Antwort hierzu von Ihnen.

Lieben Gruß

Gaby

Experte:  Tobias Rösemeier hat geantwortet vor 6 Jahren.
Ach Gaby,
der Arbeitsvertrag Ihres vormaligen Chefs hat weiterhin Gültigkeit. Der "neue" Chef ist ja auch nicht erst seit gestern da und ich frage mich ernsthaft viele Jahre er benötigt, um einen Arbeitsvertrag mit Ihnen auszuhandeln. Für Sie gilt demnach weiterhin die seinerzeit vereinbarte Wochenarbeitszeit von 32 Stunden, so dass darüber hinaus geleistete Stunden, Überstunden darstellen.
Ich kann Sie durchaus verstehen, dass Sie Ihren Arbeitsplatz nicht so einfach hinschmeißen wollen und auch der Weg vors Arbeitsgericht würde die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz doch sehr beeinflussen.
Hier ist gewisses psychologisches Geschick gefragt, um den Chef ein wenig "weichzukochen". Vielleicht ist es sinnvoll, wenn alle Helferinnen gemeinsam mit dem Chef das Gespräch über die Arbeitszeit und die Vergütung suchen. Dann muss er gegenüber mehreren Frauen gleichzeitig argumentieren, was Männern bekanntlich schwer fällt ;) Auch wenn es nicht wirklich die feine englische Art ist, kann man in solchen Fällen auch mal mit einer längeren Krankschreibung arbeiten, Ihre Nerven liegen doch bestimmt blank Gaby oder? Dann merkt er sehr schnell, was er an seinem Team hat und wird bestimmt verhandlungsbereiter. Suchen Sie auf alle Fälle die Unterstützung von der Gewerkschaft, ich hoffe und wünsche Ihnen, dass Ihnen dort weitergeholfen wird.
Herzliche Grüße
Tobias Rösemeier
Experte:  Tobias Rösemeier hat geantwortet vor 6 Jahren.
Hallo Gaby,
haben Sie noch eine Nachfrage? Wenn nicht, darf ich Sie höflich bitten, die Frage durch Akzeptieren meiner Antwort zu schließen. Viele Dank!
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Das ist sehr nett, daß Sie mich nochmal danach fragen. ich habe mich nämlich nicht mehr getraut nochmal nachzufragen. Wissen Sie, ich habe an all das, was Sie mir vorschlagen auch schon gedacht, aber ich bin da wahrscheinlich falsch erzogen, lach.

Krank machen, obwohl ich Gott sei Dank ein gesunder Mensch bin. Aber Sie haben vollkommen recht, wenn er es anders nicht kapiert, daß wir am besten als Team arbeiten. Ich habe noch 2 Kolleginnen. Die eine ist voll auf meiner Seite, die andere würde lieber umsonst arbeiten, wenn sie dadurch dem Chef noch mehr in den Hintern kriechen könnte, ist ein bißchen schwierig. Aber ich hätte bitte noch eine allerletzte Frage. Wie ist das mit dem Gewohnheitsrecht. In meinem alten Vertrag stehen 32 Arbeitsstunden, ich habe aber seit 3 Jahren nur noch 27. Als Ersatz für die nicht erhaltenden Gehaltserhöhungen seit 2004. Das ist auch der Grund, warum ich nie auf einen neuen Arbeitsvertrag pochte. Dann das Weihnachtsgeld bekomme ich auch ein 13. Gehalt seit 14 Jahren vom alten Chef und nun seit 4 Jahren vom _Neuen. Ist das schon Gewohnheitsrecht? Das will er nämlich auch nicht aufnehmen in einen Vertrag. Und die allerletzte Frage, dann nerve ich Sie sicher nicht mehr, obwohl ich sehr gern mit Ihnen schreibe, nochmal zurück zu unserem Notdienst. Wenn ich Bereitschaftsdienst leisten muß, das heißt, ich kann heimfahren, muß aber 12 Stunden zur Verfügung stehen, falls der Chef anruft, wie muß er das denn vergüten? Das mache ich nämlich völlig umsonst und da zahlt er auch nichts? Und ganz zum Schluß. Es gibt ein sogenanntes Kündigungrecht. Wenn man schon sehr lange Jahre in der Praxis ist, verlängert sich die Kündigungszeit. Gilt das auch, wenn die Praxis weniger als 5 Mitarbeiter hat? Ich danke XXXXX XXXXX von ganzem Herzen, denn Sie haben mir bisher super geholfen.

Ganz lieben Gruß und einen schönen Abend wünsche ich Ihnen.

Gaby

Experte:  Tobias Rösemeier hat geantwortet vor 6 Jahren.
Liebe Gaby,
Sie nerven doch nicht ;) Schade, dass bei Ihnen in der Praxis keine Einheit besteht und Sie quasi einen "Feind" in den eigenen Reihen haben.
Ja manchmal muss man seine gute Erziehung einfach über Bord schmeißen, mir macht es schon den Eindruck, dass Ihr Chef sich schriftlich gar nicht binden will, egal in welcher Form.
Wegen der Verringerung der Arbeitszeit ist auch inzwischen eine stillschweigende Abänderung des Arbeitsvertrages zustandegekommen, wonach Sie für jetzt nur noch 27 Wochenarbeitsstunden, die gleiche Vergütung erhalten, wie vorher für 32 Wochenarbeitsstunden. Es ist ja nachweisbar, dass Sie seitdem nur 27 Stunden arbeiten und das gleiche Gehalt erhalten.
Schwierig ist bei Ihnen einfach, dass viele Dinge vom "alten" Chef nicht in den Arbeitsvertrag aufgenommen wurden, aber er mehr Leistungen erbracht hat, als der Arbeitsvertrag hergab, wie z.B. das 13. Monatsgehalt. Da Sie allerdings auch vom "neuen" Chef bereits länger als 3 Jahre ein Weihnachtsgeld erhalten, gilt hier die betriebliche Übung und Sie haben auch weiterhin einen Anspruch hierauf. Das Bundesarbeitsgericht hat in seinem Urteil (BAG,Az.: 10 AZR 198/95) so entschieden.
Was die Kündigungsfrist angeht, so haben Sie immer die Möglichkeit mit einer Frist von 4 Wochen zum 15. bzw. 30 eines jeden Montas Ihr Arbeitsverhältnis zu beenden. Ihr Chef hingegen kann Sie derzeit nur mit einer Kündigungsfrist von 5 Monaten zum Monatsende kündigen. Ich bin hier von 14 Jahren Arbeitsverhältnis ausgegangen, allerdings zählen erst die Jahre ab Vollendung des 25. Lebensjahres. Sie können das aber selbst in § 622 BGB ermitteln. Ach da fällt mir ein, Sie hatten mir ja geschrieben, dass Sie gerade mal 49 Jahre alt sind ;) dann sind es die 5 Monate. Wenn Sie dann 15 Dienstjahre voll haben, verlängert sich die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber auf 6 Monate. Das sind die gesetzlichen Kündigungsfristen und die haben auch für kleine Betriebe Gültigkeit.
Und nun noch mal förmlich zum Bereitschaftsdienst.
Die Frage, in welchem Umfang Sie zur Leistung von Bereitsschaftsdienst verpflichtet sind, wird sich nach Ihrem Arbeitsvertrag richten. Denn die Leistung von Bereitschaftsdienst kann tariflich oder einzelvertraglich vereinbart sein. Da nach Ihrer Schilderung kein Tarifvertrag einschlägig ist, kann sich die Leistung von Bereitschaftsdienst in Ihrem Fall nur aus dem Arbeitsvertrag ergeben.
Nach § 7 ArbzG ist Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit zu werten. Enthält der Arbeitsvertrag eine rahmenmäßige Verpflichtung des Arbeitnehmers zur Leistung von Bereitschaftsdiensten, kann der Arbeitgeber im Rahmen seines Weisungsrechtes den Bereitschaftsdienst anordnen.
Auch wenn der Arbeitnehmer während des Bereitschaftsdienstes keine Tätigkeit erbringt, hat er einen Anspruch auf Vergütung, da es sich auch beim Bereitschaftsdienst um vertragliche Arbeitszeit handelt.
Allerdings muß der Bereitschaftsdienst nicht wie die sonstige Arbeitszeit vergütet werden. Es steht den Arbeitsvertragsparteien vielmehr frei, für den Bereitschaftsdienst und die sogenannte Vollarbeit unterschiedliche Vergütungssätze zu vereinbaren. Auch ein Freizeitausgleich oder die pauschale Abgeltung des Bereitschaftdienstes ist zulässig.
Inwieweit Sie also zur Leistung von Bereitschaftsdienst verpflichtet sind, richtet sich nach Ihrem Arbeitsvertrag. Keinesfalls müssen Sie den Bereitschaftsdienst aber ohne Vergütung leisten oder zusätzlich zu der vertraglich vereinbarten Wochenarbeitzeit leisten. Der Bereitschaftsdienst ist vielmehr Teil der vertraglichen Arbeitszeit.
Es freut mich, dass ich Ihnen weiterhelfen konnte und würde mich über die Akzeptanz sehr freuen.
Herzliche Grüße
Tobias Rösemeier, Rechtsanwalt
Kategorie: Recht & Justiz
Zufriedene Kunden: 16814
Erfahrung: seit 1995 als selbständiger Rechsanwalt tätig.
Tobias Rösemeier und weitere Experten für Recht & Justiz sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 6 Jahren.

Nun weiß ich nicht, ob Sie diese Antwort noch bekommen, wenn ich Ihre Mühe "akzeptiert" habe.

Ich könnte mich noch stundenlang mit Ihnen unterhalten, aber eigentlich lieber nicht über so blöde Vertragsangelegenheiten. Ich mag so etwas gar nicht. Ich arbeite gern und auch für diesen Chef, da er sonst eigentlich sehr sympatisch ist, aber Sie haben mir doch sehr geholfen. Herzlichen Dank dafür.

Nun wünsche ich Ihnen eine wunderschöne Zeit und Alles Liebe.

Gaby

Experte:  Tobias Rösemeier hat geantwortet vor 6 Jahren.
Vielen herzlichen Dank Gaby. Ich wünsche Ihnen alles Gute. Lassen Sie sich nicht unterkriegen ;)

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