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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3825
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
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Sehr geehrte Herr Ich hätte mal eine Frage die mich sehr

Kundenfrage

Sehr geehrte Herr Ich hätte mal eine Frage die mich sehr intensiv beschäftigt und schlaflose Nächte bringt Wie sieht es für mich aus (ich bin 60 Jahre und zu 100% arbeitsunfähig) wenn mein Mann (44 Jahre) sich trennen will? Ich habe ja kein Einkommen. Muss mein Mann für mich aufkommen oder muss ich selber für mich sorgen? Besten Dank für Ihre Antwort Freundliche Grüsse F. Schäfer

Gepostet: vor 1 Jahr.
Kategorie: Schweizer Recht
Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 1 Jahr.
Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Schilderung und anhand Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Ihre Frage wird u.a. in Art. 125, 163 ff. und 176 ZGB (Zivilgesetzbuch) vom Gesetz beantwortet:

So heisst es in Art. 125 Abs. 1 ZGB:
Ist einem Ehegatten nicht zuzumuten, dass er für den ihm gebührenden Unterhalt unter Einschluss einer angemessenen Altersvorsorge selbst aufkommt, so hat ihm der andere einen angemessenen Beitrag zu leisten.

Die Frage wie was "angemessen", "zumutbar" und "gebührend" beduetet, lässt sich pauschal nicht abschliessend beantworten.
Grundsätzlich gilt aber, dass die Ehegatten, nach einer Trennung oder Scheidung den gleichen Lebensstandard wie vor der Scheidung/Trennung beibehalten können soll. Natürlich ist dies in der Praxis kaum je möglich, da mit einer Trennung auch automatisch höhere Kosten anfallen, ohne dass gleichzeitig das Einkommen stiege.
Daher wird versucht, dass beide Ehegatten so nahe wie möglich, am bisherigen Lebensstandard festhalten können.

Es wird daher geschaut, wer wieviel verdient (oder verdienen könnte) und wer welche Ausgaben hat. Das was nach dieser Berechnung übrig bleibt, wird grundsätzlich verteilt. Ausserdem wird berücksichtigt, ob einer der Ehegatten sogenannte ehebedingte Nachteile (z.B. Aufgabe der beruflichen Karriere wegen Haushaltsführung etc.) erlitten hat, die dann vom anderen Ehegatten auszugleichen sind. Am besten zeigt sich dies, bei der Altersvorsorge, wo grundsätzlich alles, was eine Ehegatte in seine Altersvorsorge eingezahlt hat (AHV, Pensionskasse und 3. Säule) bei einer Scheidung geteilt wird.

Wenn Ihr Mann also ein Einkommen erzielt, darf er von seinem Einkommen mindestens so viel selber behalten, wie er zum Leben braucht. Vom Rest muss er so viel an Sie bezahlen, damit Sie genug haben, um zu leben. Was dann noch übrig bleibt, wird halbiert.

Vereinfachtes Beispiel:
Einkommen Ehemann: CHF 5'000.-
Bedarf Ehemann: CHF 2'500.-

Einkommen Ehefrau: CHF 0.-
Bedarf Ehefrau: CHF 2'300.-

Ehemann muss an Ehefrau pro Monat CHF 2'400.- bezahlen.


Natürlich sind Sie (wie auch Ihr Mann) verpflichtet, ein zumutbares Einkommen zu erzielen. Da Sie zu 100% arbeitsunfähig sind, ist für Sie eine Berufstätigkeit wohl nicht zumutbar. Sie sind aber auch verpflichtet, abzuklären, ob Sie allenfalls anderweitig ein Einkommen erzielt, also ob Sie z.B. Anspruch auf eine IV-Rente, Ergänzungsleistungen zur IV usw. haben.

Sollte das Einkommen der Ehegatten nicht ausreichen, um den monatlichen Bedarf zu sichern (sog. Unterdeckung/Mankofall), so bleibt nichts anderes übrig, als dass mindestens einer der Ehegatten Sozialhilfe beantragen muss.

Zusammenfassend haben Sie also grundsätzlich Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch Ihren Mann, sofern Sie finanziell nicht in der Lage sind, sich selber zu versorgen und Ihr Mann genügend verdient, um neben sich selbst auch Sie versorgen zu können.

Ich empfehle Ihnen, sich persönlich von einem Anwalt (oder in der Rechtsberatung am nächsten Bezirksgericht) beraten zu lassen, spätestens, wenn Ihr Mann ausziehen sollte oder verlangt, dass Sie die Wohnung verlassen.
Spätestens dann muss nämlich ein sog. Eheschutzbegehren eingereicht werden und das Gericht kann anordnen, dass Ihr Mann Ihnen Unterhalt zahlen muss.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Abschliessend bitte ich Sie um Bewertung meiner Antwort. JustAnswer leitet Ihren Kostenbeitrag an mich weiter, wenn Sie meine Antwort mit drei oder mehr Sternen bewerten. Wenn Sie mit der Beantwortung Ihrer Frage zufrieden waren, können Sie meine Antwort ausserdem mit einem Bonus belohnen.

Freundliche Grüsse

lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.
Rechtsanwalt / Mediator

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