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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3825
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
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Grüezi mitenandIch erlaube mir, Sie mit Folgender Frage zu

Beantwortete Frage:

Grüezi mitenand
Ich erlaube mir, Sie mit Folgender Frage zu belästigen. Mein Kollege ist 70 Jahre alt und alleinstehend (geschieden). Aus seiner Ehe, die vor rund 30 Jahren geschieden wurde, hat er eine Tochter. Seit über 20 Jahren hat er aber keinen Kontakt mehr zu dieser Tochter. Seit rund 20 Jahren hat er eine Freundin, die er im Erbfall begünstigen möchte. Mein Kollege wohnt mit der Freundin NICHT zusammen und hat auch keinen Konkubinatsvertrag. Er hat noch eine Schwester (ledig, ohne Kinder) sowie einen Bruder (vor 2 Jahren verstorben, hinterlässt Ehefrau und 2 Kinder). Können Sie mir sagen, wie sich in dieser Situation das Vermögen verteilt (wer erhält wieviel ? Pflichtteil Tochter und Geschwister ?) Was muss er machen, um seine Freundin maximal zu begünstigen (evtl. Testament ?)
Vielen Dank ***** ***** Grüsse
Roger Baumgartner (*****@******.*** - 071 747 96 51)
Roger Baumgartner
Gepostet: vor 1 Jahr.
Kategorie: Schweizer Recht
Experte:  kai-mod hat geantwortet vor 1 Jahr.

Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde,

aufgrund einer Überprüfung haben wir festgestellt, dass Ihre o.a. Frage bisher leider noch nicht beantwortet wurde.

Wir haben Ihre Frage kostenlos unter einer erhöhten Priorität eingestuft, und unsere Experten erneut informiert, sich mit Ihrem Problem zu beschäftigen.

Sollten Sie in den nächsten Tagen keine Antwort erhalten, bitten wir Sie, sich mit uns über

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Deutschland: 0800(###) ###-####/p>

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von Montags bis Freitags von 10:00-18:00

in Verbindung zu setzen.

Vielen Dank für Ihre Geduld.

Ihr JustAnswer Moderatoren-Team

Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 1 Jahr.
Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Die Geschwister erben nicht, wenn Nachkommen (Kinder oder Kindeskinder) vorhanden sind. Geschwister sind auch nicht pflichtteilsgeschützt. Der Bruder und die Schwester gehen daher leer aus, sofern die Tochter (oder deren Kinder) den Vater überlebt.

Ebenfalls nicht erbberechtigt, ist die Lebenspartnerin Ihres Kollegen. Sie geht genauso leer aus, wie seine Geschwister.

Auch die geschiedene Ehefrau Ihres Kollegen erbt nicht.

Falls also Ihr Kollege kein Testament macht, wird seine Tochter zu seiner Alleinerbin, d.h. sie erbt sein ganzes Vermögen. Dass die beiden seit über 20 Jahren keinen Kontakt mehr haben, ist unerheblich.

Mit einem Testament kann Ihr Kollege seinen Nachlass aber anders verteilen. So kann er grundsätzlich entscheiden, wer wieviel erhalten soll. Dabei muss er aber den Pflichtteil seiner Tochter berücksichtigen. Der Pflichtteil der Nachkommen beträgt 3/4 des gesetzlichen Erbteils. Da die Tochter nach der gesetzlichen Erbfolge Alleinerbin würde, beträgt deren Pflichtteil also 75% des Nachlasses.

Insofern darf Ihr Kollege also maximal 25% seines Vermögens seinen Geschwistern und oder Lebenspartnerin vererben. Dies kann er in einem Testment machen. Ein Testament muss von Anfang bis Ende von Hand geschrieben, datiert, unterschrieben und inhaltlich klar formuliert sein. Das Testament kann Zuhause aufbewahrt werden. Es kann jedoch bei der Gemeinde (oder je nach Wohnort) beim Notariat oder Bezirksgericht hinterlegt werden.

Der Pflichtteil der Tochter lässt sich nur schwer umgehen. Er könnte zwar im Testament festlegen, dass seine Freundin mehr als die 25% seines Vermögens erben soll. Allerdings könnte die Tochter dann gegen die Freundin auf Einhaltung ihres Pflichtteils klagen.

In Betracht käme allenfalls eine Enterbung. Bei einer gültigen Enterbung erbt die Tochter nichts. Die Enterbung setzt allerdings besonders triftige Gründe voraus (z.B. ein Tötungsversuch oder schwere Vernachlässigung familiärer Pflichten). Nach der Rechtsprechung genügt in der Regel alleine ein langer Kontaktunterbruch nicht für eine gültig Enterbung, zumal ein Kontaktunterbruch meistens von beiden Seiten mitverschuldet ist.

Ihr Kollege sollte erwägen, seine Freundin allenfalls zu heiraten. In diesem Falle könnte er den Pflichtteil seiner Tochter verkleinern. Eine Heirat hätte zudem den Vorteil, dass die Freundin auf ihrem Erbe keine Erbschaftssteuer entrichten muss. Zwar sind in den meisten Kantonen Konkubinatspartner erbschaftssteuerrechtlich begünstigt. Dennoch ist aber die Erbschaftssteuer noch immer erheblich. Zudem stellt sich die Frage, ob die Freundin überhaupt als Konkubinatspartnerin angesehen wird, da die beiden nicht zusammenwohnen.

Insgesamt also bleibt ausser einer Heirat mit der Freundin oder einer (bewussten) Verletzung des Pflichtteilsanspruchs der Tochter unter Inkaufnahme des Risikos, dass diese klagt nur ein Testament, dass der Freundin 1/4 der Nachlasses vererbt.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Bitte vergessen Sie nicht, meine Antwort zu bewerten indem Sie unter meiner Antwort auf einen der Smileys „toller Service“, „informativ und hilfreich“ oder „Frage beantwortet“ klicken. Wenn Sie mit der Behandlung Ihrer Frage besonders zufrieden waren, können Sie meine Antwort sogar mit einem Bonus belohnen.

Mit freundlichen Grüssen

lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.
Rechtsanwalt und Mediator -
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