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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3825
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
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Guten Tag - unser Sohn, verh. ohne Kinder, ziemlich vermögend

Kundenfrage

Guten Tag - unser Sohn, verh. ohne Kinder, ziemlich vermögend eröffnete uns, er haette uns "enterbt" und a l l e s seiner Gattin vermacht...plus Lebensvers. über 1 Mio. CHF. Geht das überhaupt???Ich denke es gibt einen Pflichtteil von 25 % für die Eltern da keine Kinder vorh. sind. Wenn dies gehen würde wer bekommt sein Erbe falls beide bei einem Unfall beide sterben sollten ??? Sieht peinlich aus aber wir wurden richtig damit überfahren...
Gepostet: vor 3 Jahren.
Kategorie: Schweizer Recht
Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 3 Jahren.
Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Die Auskunft des Anwalts ist falsch.

Zwar ist richtig, dass Sie als Eltern pflichtteilsgeschützt sind und damit Ihren Sohn grundsätzlich auch beerben, sofern er keine Nachkommen hat. Hinterlässt Ihr Sohn nur eine Ehefrau und besteht kein gültiges Testament, würde seine Erbschaft nach Art. 462 Ziff. 2 ZGB verteilt (gesetzliche Erbfolge):
Ehefrau: 75% des Nachlasses
Vater und Mutter (oder Geschwister, Neffen etc.): 25% des Nachlasses.

Sofern Sie als Eltern Ihren Sohn überleben, beträgt Ihr Pflichtteil die Hälfte des gesetzlichen Erbteils (Art. 471 Ziff. 2 ZGB). In diesem Fall würden Sie als Eltern also einen Pflichtteil von 3/8 (= 1/2 x 3/4) bzw. je 3/16 des Nachlasses Ihres Sohnes als Pflichtteil erhalten.

Ihr Sohn hat die Möglichkeit, Sie testamentarisch oder erbvertraglich auf diesen Pflichtteil zu setzen. Dieser Pflichtteil darf grundsätzlich nicht verletzt werden, weshalb Sie als Eltern grundsätzlich mindestens Anspruch auf Ihren Pflichtteil von je 3/16 haben.

Enterbung bedeutet nun aber, dass ausnahmsweise auch der Pflichtteil entzogen werden kann. Die gültige Enterbung ist allerdings an strenge Voraussetzungen gebunden (vgl. Art. 477 ZGB):

Art. 477 ZGB – B. EnterbungI. Gründe
Der Erblasser ist befugt, durch Verfügung von Todes wegen einem Erben den Pflichtteil zu entziehen:
1. wenn der Erbe gegen den Erblasser oder gegen eine diesem nahe verbundene Person eine schwere Straftat begangen hat;

2. wenn er gegenüber dem Erblasser oder einem von dessen Angehörigen die ihm obliegenden familienrechtlichen Pflichten schwer verletzt hat.

Die diese Voraussetzungen nicht gegeben, ist die Enterbung ungültig. Sie hätten dann im Erbfall die Möglichkeit, das enterbende Testament anzufecht. Da ich nicht davon ausgehe, dass in Ihrem Fall die Voraussetzungen für eine gültige Enterbung gegeben sind, ist davon auszugehen, dass Sie von Ihrem Sohn nicht oder nicht gültig enterbt wurden, sondern wenn überhaupt "nur" auf den Pflichtteil gesetzt wurden.


Zusammenfassend ist also eine gültige Enterbung, also der Entzug des Pflichtteils der Eltern, nur dann möglich, wenn die strengen Voraussetzungen von Art. 477 ZGB vorliegen (Straftat oder schwere Vernachlässigung von familiären Pflichten). Umgangssprachlich wird aber unter "Enterbung" auch verstanden, dass der gesetzliche Erbteil auf den geringeren Pflichtteil beschränkt wird, was mit einem gewöhnlichen Testament ohne weitere Voraussetzungen möglich ist.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Bitte vergessen Sie nicht, meine Antwort zu bewerten indem Sie unter meiner Antwort auf einen der Smileys „toller Service“, „informativ und hilfreich“ oder „Frage beantwortet“ klicken. Wenn Sie mit der Behandlung Ihrer Frage besonders zufrieden waren, können Sie meine Antwort sogar mit einem Bonus belohnen.

Mit freundlichen Grüssen

lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.
- Rechtsanwalt und Mediator -