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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3825
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
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Advokaturbüro ist jetzt online.

wer erbt im Todesfall die Firma er hatte die Firma vor der

Kundenfrage

wer erbt im Todesfall die Firma er hatte die Firma vor der Ehe jedoch ich arbeite voll mit nun sind seine Kinder der Meinung im Todesfall gehöre die gesamte Firma ihnen alleine
Gepostet: vor 3 Jahren.
Kategorie: Schweizer Recht
Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 3 Jahren.
Sehr geehrte JustAnswer-Nutzerin

Um Ihre Frage korrekt beantworten zu können, benötige ich noch weitere Angaben:

1. Um was für eine Art Firma handelt es sich (AG, GmbH, Einzelfirma, ...)?
2. Wer hat sich gegenüber der AHV (SVA) als selbständig erwerbstätig gemeldet?
3. Wer ist im Namen der Firma nach aussen hin (z.B. gegenüber Kunden) aufgetreten?
4. Wurde Ihre Ehe geschieden, falls ja wann?
5. Haben/Hatten Sie und Ihr Ehemann einen Ehevertrag (Gütertrennung, o.ä.)?

Aufgrund dieser Fragen, kann ich Ihre Frage dem Grundsatz nach beantworten.

Mit freundlichen Grüssen

lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.
- Rechtsanwalt -
Kunde: hat geantwortet vor 3 Jahren.

Es ist eine AG und er ist als selbständige gemeldet und wir sind verheiratet seit dem 22.12.2013. Wir haben keine Gütertrennung

Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 3 Jahren.
Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Da es sich um eine Aktiengesellschaft (AG) handelt, ist zunächst also entscheidend, wem die Aktien der Firma gehören.

Im Falle des Todes Ihres Mannes kommt es zunächst zur sog. güterrechtlichen Auseinandersetzung – wie auch bei einer Scheidung. Da Sie keinen Ehe- oder Erbvertrag abgeschlossen haben, untersteht Ihre Ehe dem Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung.

Bei der güterrechtlichen Auseinandersetzung ist zunächst zu ermitteln, was Eigengut und was Errungenschaft darstellt.

Eigengut stellt das in die Ehe eingebrachte Vermögen dar. Da Ihr Mann die Aktien schon vor der Eheschliessung hatte bzw. Inhaber der Aktien war, stellen diese grundsätzlich sein Eigengut dar. Der seit der Eheschliessung eingetretene Mehrwert der Aktien, kann allerdings unter Umständen Errungenschaft darstellen, an der Sie als Ehefrau grundsätzlich zur Hälfte partizipieren:

Nach Ansicht des Bundesgerichtes kann der beim Verkauf der Aktien erzielte Mehrwert dann in die Errungenschaft des Ehemannes fallen, wenn der Ehemann für seinen unternehmerischen Einsatz über die Jahre hinweg kein angemessenes Gehalt bezogen hat. Der realisierte Mehrwert sei in diesem Fall als versteckter Arbeitserwerb und somit als Einkommensquelle zu qualifizieren, welcher von Gesetzes wegen in die Errungenschaft gehört (Art. 197 Abs. 2 Ziff. 1 ZGB).
Wurde der Arbeitseinsatz des Ehemanns im Unternehmen jedoch durch die aus dem Unternehmen bezogenen Leistungen (Lohn, Dividenden) vollumfänglich abgegolten, und bleibt die Wertsteigerung des Unternehmensvermögens im Rahmen dessen, was auf eine entsprechende von einem Dritten gegen Entschädigung zu leistende Tätigkeit zurückzuführen gewesen wäre, so bleibt kein Raum für eine güterrechtliche Zuordnung zur Errungenschaft und der gesamte Veräusserungserlös (inkl. Mehrwert) fällt in das Eigengut des Ehemannes.

Der Umstand, dass Sie im Betrieb bzw. der Firma Ihres Mannes mitarbeiten, ist erbrechtlich nicht relevant, sehr wohl aber eherechtlich. Zum einen haben Sie nämlich Anspruch auf eine angemessene Entschädigung für Ihre Mitarbeit (Art. 165 ZGB), zum andern partizipieren Sie am Mehrwert, zu dessen Entstehung Sie beigetragen haben (Art. 206 ZGB).

Grundsätzlich partizipieren Sie also eherechtlich nur ausnahmsweise an den Aktien und falls ja, auch nur im Umfang der während der Ehe eingetretenen Wertsteigerung.

Beim Tod Ihres Mannes erhalten Sie also vorab aus Eherecht die Hälfte der Errungenschaft und natürlich das von Ihnen in die Ehe mitgebrachte Eigengut.


Der erbrechtlich relevante Nachlass Ihres Ehemannes setzt sich dann – vereinfacht gesagt – aus seinem Eigengut und aus der Hälfte der Errungenschaft zusammen.

Dieser Nachlass wird dann unter den Erben Ihres Mannes aufgeteilt. Sofern kein Testament oder Erbvertrag vorhanden ist, erhalten Sie die zusätzlich zu Ihrem eherechtlichen Anteil (vgl. oben), die Hälfte des Nachlasses (Art. 462 Ziff. 1 ZGB).

Die Kinder Ihres Mannes müssen die andere Hälfte des Nachlasses Ihres Mannes unter sich aufteilen.

Wer die Aktien bzw. die Firma bekommt, regelt das Gesetz nicht. Geregelt ist nur, wer wertmässig wieviel erhält. Falls die Firma bzw. das Aktienvermögen den Hauptteil des Vermögens Ihres Mannes ausmacht, so wird kein Weg daran vorbeiführen, als die Aktien unter allen Erben aufzuteilen.
Allenfalls können die Kinder allerdings die Zuweisung Räumlichkeiten des Betriebs (gegen Entschädigung) verlangen (vgl. Art. 219 Abs. 4 ZGB):

An Räumlichkeiten, in denen der Erblasser einen Beruf ausübte oder ein Gewerbe betrieb und die ein Nachkomme zu dessen Weiterführung benötigt, kann der überlebende Ehegatte diese Rechte nicht beanspruchen

Hier geht es aber nur um den Zuweisungsanspruch und nicht um die wertmässige Berücksichtigung.

Jedenfalls haben die Kinder Ihres Mannes unrecht, wenn sie behaupten, dass sie die Firma bekommen würden. Dies träfe nur dann zu, wenn die Kinder bereits Inhaber der Aktien wären oder wenn Ihre ehe- und erbrechtlichen Ansprüche durch andere Vermögenswerte befriedigt werden könnten.

Sofern die Aktien zur Zeit allein Ihrem Mann gehören, so gehört die Firma im Falle seines Todes zunächst einmal Ihnen und seinen Kindern gemeinsam. Dies solange, bis Sie und seine Kinder sich über die Aufteilung der Erbschaft geeinigt haben.

Beachten Sie, dass Besonderheiten gelten können, wenn es sich zum Beispiel um vinkulierte Namensaktien handelt oder wenn die Aktien schon heute im Eigentum der Kinder stehen.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Bitte vergessen Sie nicht, meine Antwort zu bewerten indem Sie unter meiner Antwort auf einen der Smileys „toller Service“, „informativ und hilfreich“ oder „Frage beantwortet“ klicken. Wenn Sie mit der Behandlung Ihrer Frage besonders zufrieden waren, können Sie meine Antwort sogar mit einem Bonus belohnen.

Mit freundlichen Grüssen

lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.
- Rechtsanwalt und Mediator -