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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3825
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
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ich habe im Jahre privat und geschäftlich Konkurs gemacht,

Kundenfrage

ich habe im Jahre privat und geschäftlich Konkurs gemacht, wie lange werde ich noch
für die Verlustscheine belangt werden ?
-Ab wann bin ich wieder zu einem normalen Leben frei !
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Schweizer Recht
Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Zunächst ist allenfalls zwischen dem Privatkonkurs und dem Geschäftskonkurs zu unterscheiden.

Die Verlustscheine gegen Ihr Geschäft können gegen Sie persönlich grundsätzlich nicht geltend gemacht werden, wenn die Firma keine Einzelfirma, sondern eine Kapitalgesellschaft (GmbH oder AG) war. Nach Abschluss/Einstellung des Konkursverfahrens wird eine GmbH oder AG grundsätzlich gelöscht, so dass die gegen diese gerichtete Forderungen nicht mehr geltend gemacht werden können.

Beim Privatkonkurs ist es anders. Für private Schulden und/oder für die Schulden Ihrer (ehemaligen) Einzelfirma haften Sie mit Ihrem privaten Vermögen. Da im Konkursverfahren gegen Sie bzw. gegen Ihre Einzelfirma offenbar nicht alle Forderungen gedeckt werden konnten, wurden den Gläubigern Konkursverlustscheine ausgestellt (Art. 265 SchKG).

Gemäss Art. 265 Abs. 2 in Verbinung mit Art. 149a SchKG verjähren durch Konkursverlustscheine verurkundete Forderungen erst 20 Jahre nach der Ausstellung der Konkursverlustscheine. Während dieser 20 Jahre können Sie von den Gläubigern bzw. den Inhabern der Konkursverlustscheine betrieben werden.

Gegen solche Betreibungen können Sie sich aber mit "Rechtsvorschlag wegen fehlendem neuen Vermögen" wehren. Wenn Sie also seit dem Konkurs nicht zu neuem Vermögen gekommen sind, können die Forderungen auch nicht vollstreckt werden (Art. 265 Abs. 2 SchKG).

Kommen Sie allerdings innerhalb der 20 Jahre zu neuem Vermögen, kann ein Konkursverlustscheingläubiger in dieses neue Vermögen vollstrecken.

Beachten Sie, dass diese Frist von 20 Jahren auch unterbrochen werden kann, sodass z.B. mit einer neuen Betreibung eine neue 20-jährige Frist ausgelöst wird.

Soweit es sich um Konkursverlustscheine gegenüber Ihrem verstorbenen Mann handelt, verjähren die Forderungen aus den Konkursverlustscheinen innerhalb 1 Jahres nach Eröffnung des Erbgangs (Art. 149a Abs. 1 Halbsatz 2 SchKG).
Falls die Forderungen aber gegen Sie persönlich lauteten, gilt die unterbrechbare 20-Jahresfrist. Gegenüber Ihren Erben gilt sodann wiederum die Einjahresfrist.

Im Gegensatz zum deutschen Insolvenzrecht kennt das Schweizer Recht keine Restschuldbefreiung. Das heisst, dass der Konkurs für Sie erst erledigt ist, wenn
  1. Sie entweder alle Konkursverlustscheine zurückkaufen oder beim Betreibungsamt bezahlen (Art. 149a Abs. 2 SchKG), oder
  2. wenn die Konkursverlustscheine verjähren (20 Jahre gegenüber dem Schuldner, 1 Jahr gegenüber den Erben des Schuldners).

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Bitte vergessen Sie nicht, meine Antwort zu bewerten indem Sie unter meiner Antwort auf einen der Smileys „toller Service“, „informativ und hilfreich“ oder „Frage beantwortet“ klicken. Wenn Sie mit der Behandlung Ihrer Frage besonders zufrieden waren, können Sie meine Antwort sogar mit einem Bonus belohnen.

Mit freundlichen Grüssen

lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.
- Rechtsanwalt und Mediator -