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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3825
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
54307587
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Advokaturbüro ist jetzt online.

Oberhalb unseres Bergbauernbetriebs stand ein sehr steiles

Kundenfrage

Oberhalb unseres Bergbauernbetriebs stand ein sehr steiles Waldstück mit 20-30 hohen Bäumen. Der Nachbar schnitt auf seiner Seite im Frühjahr 2012 den ganzen Waldrand weg, was zur Folge hatte, dass ich dieses ca. 1500 m2 sehr steile Waldstück komplett roden musste, da die Gefahr bestand, dass bei einem Sturm Bäume auf den Hof fallen würden. Mit einem Fällteam, das unter erschwerten Bedingungen gewohnt ist zu arbeiten, machte ich einen mündliche Offerte: 7500.- Fr. Am 4. Juni erhielt ich die Maschinen und -Arbeits-abrechnung von 14`191.05 mit der Begründung; ich hätte mir vom Förster eine Stehendkontrolle erstellen lassen sollen. Schriftlich und mündlich setzte ich mich umgehends mit dem Chefs der Firma in Verbindung. Der kam mir keinen Fünfer entgegen. Bis jetzt habe ich unter grössten Anstrengungen in zwei Raten eine Teil (10191.05 Fr.) bezahlen können.
Meines Wissen, darf eine Offerte nur um 10-15% überschritten werden. Wieviel muss ich nun rechtens wirklich zahlen? Muss ich die restlichen 4000.- Fr. noch bezahlen?
Ich bedanke XXXXX XXXXX Ihre Antwort.
Gepostet: vor 4 Jahren.
Kategorie: Schweizer Recht
Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Zwischen Ihnen und dem Forstunternehmen ist ein Werkvertrag zustande gekommen, der zum Inhalt hatte, das steile Waldstück zu roden.

Aufgrund der Mündlichkeit in der Offerte kann jedenfalls nicht von einem Festpreisangebot ausgegangen werden.

Dass eine Schlussrechnung die Offerte um 10-15% übersteigen darf, ist grundsätzlich richtig, ist aber gesetzlich nicht verankert. Insbesondere gilt dieser "Richtwert" nicht in jedem Falle. Es kommt im wesentlichen darauf an, wie die Offerte aussieht und was genau vereinbart war.

Enthält die Offerte z.B. eine Stundenschätzung und gibt den geschätzten Aufwand in Stunden zum Stundensatz von CHF x an, so ist der Schlussbetrag der Offerte nicht zwingend verbindlich, sondern es ist Arbeit in Regie offeriert.

In diesem Zusammenhang ist vor allem Art. 375 OR zu nennen. Nach dieser Bestimmung besteht ein Recht des Bestellers, jederzeit vom Vertrag zurückzutreten, wenn ein mit dem Unternehmer verabredeter ungefährer Kostenansatz ohne Zutun des Bestellers unverhältnismässig überschritten wird.

Da in Ihrem Fall für CHF 7500 offeriert wurde, letztlich aber die Offerte rund 90% überschritten wurde, könnten Sie vom Vertrag zurücktreten.

Soweit die Theorie. In der Praxis könnte es für Sie sehr schwierig werden, zu beweisen, dass tatsächlich zum Preis von CHF 7'500 offeriert wurde, da ja kein schriftlicher Vertrag bzw. keine schriftliche Offerte besteht. Gelingt es dem UInternehmer zu beweisen, dass die Kosten für die Arbeit gerechtfertigt waren (marktüblich), so dürfte er mit seiner Forderung im Gerichtsprozess durchdringen.

Umgekehrt ist es natürlich auch so, dass der Unternehmer die geleistete Arbeit, die Ausführung der Bestellung und den angeblichen Zeitaufwand belegen können muss. Pro gefällter Baum beläuft sich die Rechnung gemäss Ihren Angaben auf ca. CHF 500 - 600.00. Dies scheint zwar überdurchschnittlich hoch, aufgrund des offenbar unwegsamen Geländes, könnte es aber durchaus sein, dass der Unternehmer mit seiner Forderung Recht erhält. Zusätzlich könnte zu Ihren Ungunsten sprechen, dass Sie einen Teil der Rechnung bereits bezahlt hatten.

Dass Sie vom Förster eine Stehendkontrolle hätten erstellen lassen sollen, ist aber jedenfalls Humbug, da es immernoch Aufgabe des Unternehmers ist, die von ihm geleistete und in Rechnung gestellte Arbeit zu belegen.

Insgesamt würde ich aber eher von einem Rechtsstreit abraten. Wenn Sie den Rest einfach nicht bezahlen, müssen Sie mit einer Betreibung und gegebenenfalls sogar einer Klage beim Friedensrichter rechnen.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Bitte vergessen Sie nicht, meine Antwort zu bewerten indem Sie unter meiner Antwort auf einen der Smileys „toller Service“, „informativ und hilfreich“ oder „Frage beantwortet“ klicken. Wenn Sie mit der Behandlung Ihrer Frage besonders zufrieden waren, können Sie meine Antwort sogar mit einem Bonus belohnen.

Mit freundlichen Grüssen

lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.
- Rechtsanwalt und Mediator -
Advokaturbüro und weitere Experten für Schweizer Recht sind bereit, Ihnen zu helfen.
Kunde: hat geantwortet vor 4 Jahren.


Sehr geehrter Herr Aschwanden,


ich bedanke mich für Ihre umfassende Antwort. Ich habe dadurch viel gelernt. Froh bin ich, dass die ganze Sache nun ohne Streit und ohne Gericht beigelegt werden konnte.


Ich werde mich das nächste Mal zum Voraus umfassend informieren.


Mit freundlichen Grüssen aus dem Toggenburg


Adrian Messerli


www.hofalpbach.ch


 

Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 4 Jahren.
Sehr geehrter Justanswer-Nutzer

Besten Dank für Ihr positives Feedback.

Für ein nächstes Mal empfehle ich Ihnen unbedingt den Abschluss eines schriftlichen Vertrags, damit sich das Risiko böser Überraschungen durch Kostenüebrschreitung verringern lassen.

Mit freundlichen Grüssen aus dem Knonaueramt


lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.

- Rechtsanwalt -

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