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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3825
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
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über eine schweizer ag wird die insolvenz eröffnet. im depot

Beantwortete Frage:

über eine schweizer ag wird die insolvenz eröffnet. im depot der ag befinden sich aktien einer dritt-firma. auf diese aktien ebsitzt ein dritter eine option, die erworben wurde, BEVOR die schweizer ag insolvent wurde. können diese aktien gecalled werden?
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Schweizer Recht
Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 5 Jahren.
Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Eine Option ist im Prinzip nichts anderes, als eine suspensiv bedingte Forderung. Die Forderung wird fällig, sobald der Optionsberechtigte von seinem Optionsrecht Gebrauch macht.

Durch die Konkurseröffnung gehen Forderungen nicht unter. Noch nicht fällige Forderungen werden grundsätzlich fällig und können im Konkurs kolloziert werden.

Nach Art. 210 SchKG werden bedingte Forderungen im Konkurs grundsätzlich zum vollen Betrag zugelassen.

Für Optionsgeschäfte und andere Finanzinstrumente sieht nun aber Art. 211 SchKG eine Sonderregelung vor, die in Ihrem Fall zur Anwendung kommt, beachte insbesondere Absatz 2bis:

Art. 211 SchKG

1 Forderungen, welche nicht eine Geldzahlung zum Gegenstande haben, werden in Geldforderungen von entsprechendem Werte umgewandelt.


2 Die Konkursverwaltung hat indessen das Recht, zweiseitige Verträge, die zur Zeit der Konkurseröffnung nicht oder nur teilweise erfüllt sind, anstelle des Schuldners zu erfüllen. Der Vertragspartner kann verlangen, dass ihm die Erfüllung sichergestellt werde.


2bis Das Recht der Konkursverwaltung nach Absatz 2 ist jedoch ausgeschlossen bei Fixgeschäften (Art. 108 Ziff. 3 OR1)) sowie bei Finanztermin-, Swap- und Optionsgeschäften, wenn der Wert der vertraglichen Leistungen im Zeitpunkt der Konkurseröffnung aufgrund von Markt- oder Börsenpreisen bestimmbar ist. Konkursverwaltung und Vertragspartner haben je das Recht, die Differenz zwischen dem vereinbarten Wert der vertraglichen Leistungen und deren Marktwert im Zeitpunkt der Konkurseröffnung geltend zu machen.


3 Vorbehalten bleiben die Bestimmungen anderer Bundesgesetze über die Auflösung von Vertragsverhältnissen im Konkurs sowie die Bestimmungen über den Eigentumsvorbehalt (Art.715 und 716 ZGB).


Wie dieser Bestimmung und der Gesetzessystematik zu entnehmen ist, können Sie Ihr Call-Recht grundsätzlich auch nach Konkurseröffnung ausüben. In gewisser Weise bleibt Ihnen sogar gar nichts anderes übrig, da Sie ansonsten zwar nicht Ihr Optionsrecht verlieren, aber der Optionsschuldner untergeht.

Ob der Vertrag von der Konkursverwaltung erfüllt wird, bzw. ob dem Optionsschuldner die Aktie der Drittfirma herausgegeben wird, ist dabei eine andere Frage.

Da es sich um Call-Option auf eine Aktie einer Drittfirma handelt, kommt es also darauf an, ob die betreffende Aktie einen Markt- oder Börsenwert hat. Davon ist auszugehen.

Das bedeutet, dass es der Konkursverwaltung nach Art. 211 Abs. 2bis SchKG nicht gestattet ist, an Stelle des Optionsschuldners den Vertrag zu erfüllen und dem Optionsgläubiger die Drittaktie auszuhändigen. Ihre Forderung ist eine Realforderung mit bestimmbarem oder gar bestimmtem Markt- bzw. Börsenpreis und muss daher gemäss Abs. 1 in eine Forderung in Geld umgewandelt und auf Anmeldung hin kolloziert werden. Die Aktien der Drittfirma werden dann mit der Konkursmasse verwertet (versteigert), sofern an den Aktien kein Eigentumsvorbehalt besteht.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Bitte vergessen Sie nicht, meine Antwort zu bewerten. Wenn Sie mit der Behandlung Ihrer Frage besonders zufrieden waren, können Sie meine Antwort sogar mit einem Bonus belohnen.

Mit freundlichen Grüssen

lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.
- Rechtsanwalt und Mediator -
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