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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3825
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
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Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe die Niederländische

Beantwortete Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe die Niederländische Nationalität und Angestellte im Aussendienst bei einem Schweizer Arbeitgeber. Die ersten 5 Jahren mit Festvertrag und dann 18 Jahren mit Saisonvertrag. Momentan wird fleissig umstrukturiert und daher entfallen diverse Stellen und die Stellen die vom Arbeitgeber angeboten werden entsprechen nicht meinen Vorstellungen. Gerne würde ich einige Informationen haben über meine Ansprüche auf einer Abfindung in diesem Fall! Ich bedanke XXXXX XXXXX herzlich für Ihre Bemühungen und freue mich auf eine baldige Antwort.
Mit freundlichen Grüssen,
Monique Meens
Gepostet: vor 5 Jahren.
Kategorie: Schweizer Recht
Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 5 Jahren.
Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Der Arbeitnehmerschutz in der Schweiz ist leider im europäischen Vergleich eher schwach. Insbesondere sind Abgangsentschädigungen in der Schweiz eher gering oder gar nicht üblich (anders als zum Beispiel in Deutschland).

Gesetzlich gibt es in der Schweiz gerade mal drei Vorschriften zur Abgangsentschädigung. Die wichtigsten beiden, Art. 329b und Art. 329c OR, sehen dazu Folgendes vor:

Art. 339b OR
1 Endigt das Arbeitsverhältnis eines mindestens 50 Jahre alten Arbeitnehmers
nach 20 oder mehr Dienstjahren, so hat ihm der Arbeitgeber eine Abgangsentschädigung auszurichten.
2 Stirbt der Arbeitnehmer während des Arbeitsverhältnisses, so ist die Entschädigung dem überlebenden Ehegatten, der eingetragenen Partnerin, dem eingetragenen Partner oder den minderjährigen Kindern oder bei Fehlen dieser Erben anderen Personen auszurichten, denen gegenüber er eine Unterstützungspflicht erfüllt hat.


Art. 339c OR
1 Die Höhe der Entschädigung kann durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsvertrag
oder Gesamtarbeitsvertrag bestimmt werden, darf aber den Betrag nicht unterschreiten, der dem Lohn des Arbeitnehmers für zwei Monate entspricht.
2 Ist die Höhe der Entschädigung nicht bestimmt, so ist sie vom Richter unter Würdigung aller Umstände nach seinem Ermessen festzusetzen, darf aber den Betrag nicht übersteigen, der dem Lohn des Arbeitnehmers für acht Monate entspricht.
3 Die Entschädigung kann herabgesetzt werden oder wegfallen, wenn das Arbeitsverhältnis vom Arbeitnehmer ohne wichtigen Grund gekündigt oder vom Arbeitgeber aus wichtigem Grund fristlos aufgelöst wird, oder wenn dieser durch die Leistung der Entschädigung in eine Notlage versetzt würde.
4 Die Entschädigung ist mit der Beendigung des Arbeitsverhältnisses fällig, jedoch kann eine spätere Fälligkeit durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag bestimmt oder vom Richter angeordnet werden.


Wie Sie diesen Bestimmungen entnehmen können, haben Sie selbst bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber nur dann einen gesetzlich garantierten Anspruch auf eine Abgangsentschädigung, wenn Sie über 50 sind. Aufgrund des Saisonvertrages haben Sie aus meiner Sicht über 20 Dienstjahre.

Nur wenn Sie über 50 wären hätten Sie Anspruch auf eine Abgangsentschädigung von mindestens 2 Monatslöhnen. War nichts vereinbart, kann der Richter die Abgangsentschädigung festsetzen, aber auf maximal 8 Monatslöhne. Der Arbeitgeber kann Ihnen natürlich freiwillig auch mehr versprechen bzw. bezahlen.

Es ist auch möglich, dass aufgrund der Umstrukturierungen in Ihrem Betrieb allenfalls in Zusammenarbeit mit der Arbeitnehmervertretung und/oder mit der Gewerkschaft (sofern vorhanden) ein Sozialplan ausgearbeitet wurde, der Abgangsentschädigungen im Falle von Entlassungen vorsieht.

Nicht selten ist es, dass zum Beispiel eine Freistellungsvereinbarung geschlossen wird, wonach der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die Arbeitspflicht vor Ablauf der Kündigungsfrist entlässt und ihm freiwillig eine Art Abgangsentschädigung (oder Lohnfortzahlung) anbietet. Wie hoch diese ausfällt, ist Verhandlungssache und hängt vom Arbeitgeber ab.
Mit anderen Worten könnte im Falle der Kündigung möglich sein, dass Ihnen der Arbeitgeber anbietet, früher mit Arbeiten aufzuhören, Sie aber dennoch weiterhin Ihren Lohn und allenfalls sogar noch eine zusätzliche Entschädigung erhalten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Sie einen gesetzlichen Anspruch auf Abgangsentschädigung nur dann haben, wenn Sie über 50 Jahre alt sind. Vertraglich kann aber eine Abgangsentschädigung versprochen sein. Ebenfalls ist denkbar, dass aufgrund eines Sozialplans oder aufgrund einer freiwilligen Freistellungsvereinbarung mit dem Arbeitgeber eine Art Abgangsentschädigung ausgerichtet wird. Dies erfolgt jedoch auf reiner Verhanlungsbasis.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Bitte vergessen Sie nicht, meine Antwort zu akzeptieren, indem Sie unter meiner Antwort auf das grüne Feld „Akzeptieren“ klicken. Ausserdem können Sie in der Rubrik Bewertungen eine Qualitätsbeurteilung abgeben und wenn Sie mit der Behandlung Ihrer Frage besonders zufrieden waren, meine Antwort sogar mit einem Bonus belohnen.

Mit freundlichen Grüssen

lic. iur. Reto Aschwanden, LL.M.
- Rechtsanwalt und Mediator -
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