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Advokaturbüro
Advokaturbüro, Rechtsanwalt, LL.M.
Kategorie: Schweizer Recht
Zufriedene Kunden: 3829
Erfahrung:  Gebiete des Schweizer Zivilrechts, v.a. allgemeines und besonderes Vertragsrecht, Erbrecht, Gesellschaftsrecht, SchKG
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1/2 der Eigentumswohnung ist auf meinen Vater geschrieben,

Beantwortete Frage:

1/2 der Eigentumswohnung ist auf meinen Vater geschrieben, der am 14. Juni 2011 gestorben ist und die andere 1/2 auf meine Mutter.

Wert Eigentumswohnung 287'000.00, Hypothek 215'000.00

Wie wird das gerechnet wenn's ums erbe geht ? Erben: Mutter und 4 Kinder

3 Kinder verzichten, ein Kind möchte das Erbe. Wie sieht es aus

Mein Vater hat im letzten Willen eigenhändig geschrieben, dass er möchte, das seine Hälfte auf unsere Mutter übergeht.
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Schweizer Recht
Experte:  Advokaturbüro hat geantwortet vor 6 Jahren.
Sehr geehrte(r) JustAnswer-Nutzer(in)

Aufgrund Ihrer Angaben kann ich Ihre Frage mit folgender Rechtsauskunft beantworten:

Vorab möchte ich betonen, dass die folgenden Ausführungen stark vereinfacht sind und natürlich weitere Vermögenswerte vorliegen dürften. Insbesondere auch Erbfallkosten etc. noch zu berücksichtigen wären. Daher kann auch das gelieferte Ergebnis von der Realität noch erheblich abweichen. Der Rechnungsweg kann allerdings im Grundsatz übernommen werden.

Zunächst einmal kommt es in erster Linie nicht darauf an, wer im Grundbuch als Eigentümer bzw. Miteigentümer eingetragen ist. Vielmehr ist zu prüfen, ob die Eigentumswohnung Errungenschaft oder Eigengut Ihrer Eltern ist bzw. mit welchen Mitteln die Eigentumswohnung damals gekauft wurde.

Im Folgenden gehe ich davon aus, dass die Liegenschaft vollständig Errungenschaft Ihrer Eltern darstellt und ansonsten keine nennenswerten Vermögenswerte vorhanden waren.

Bevor es zur Erbteilung kommt, kommt es bei Verheirateten immer zur sog. güterrechtlichen Auseinandersetzung (wie bei einer Scheidung, Art. 204 ff. ZGB).

Dabei bekommt der hinterbliebene Ehegatte aus dem Gesamtvermögen sein Eigengut (z.B. Erbschaften die Ihre Mutter während der Ehe bekommen hat oder Geld, dass Sie schon bei der Heirat hatte). Die Errungenschaft wird grundsätzlich hälftig geteilt (Art. 207 ff. ZGB). Nach der güterrechtlichen Auseinandersetzung steht dann der Nachlass fest.

Die Eigentumswohnung hat einen Nettowert (abzgl. Hypothek) von CHF 72'000.-. Davon ausgehend, dass es sich dabei um Errungenschaft handelt, erhält Ihre Mutter also davon die Hälfte, also 36'000.-. (Hier ist noch anzumerken, dass bei Liegenschaften im Zweifel nicht deren Steuerwert, sondern deren Verkehrswert berücksichtigt wird.)

Die andere Hälfte (Errungenschaft Ihres verstorbenen Vaters, also CHF 36'000.-) bildet den Nachlass. Dieser wird nun nach den Bestimmungen des Erbrechts bzw. nach dem Testament Ihres Vaters geteilt.

Vermutlich handelt es sich bei der testamentarischen Anordnung Ihres Vaters um eine reine Teilungsvorschrift (Mutter soll seine Hälfte erhalten), nicht aber um eine Beschränkung der Erbteile der Kinder.

Nach Art. 462 Ziff. 1 ZGB erhält der überlebende Ehegatte 1/2 der Erbschaft, wenn er mit Kindern zu teilen hat. Das bedeutet, dass Ihre Mutter zu Ihrem güterrechtlichen Anspruch nochmals CHF 18'000.- erhält. Die restlichen CHF 18'000.- werden unter den 4 Kindern zu gleichen Teilen aufgeteilt. Das bedeutet, dass der gesetzliche Erbanspruch jedes Kindes CHF 4'500.- betragen würde (der Pflichtteil betrüge übrigens 3/4 vom gesetzlichen Erbteil, im Rechenbeispiel also CHF 3'375.00).

Wenn drei Kinder zu Gunsten der Mutter verzichten ergibt sich folgendes Gesamtbild:
Mutter: 36'000 aus Güterrecht, 18'000 aus Erbrecht, 3 x 4'500 (Verzicht Kinder) = 67'500.- (dem Wert nach).
Nicht verzichtendes Kind: 4'500.- (in bar).

Da Ihre Mutter die Liegenschaft (als einziger Nachlassgegenstand) in natura erhalten und die Hypothek übernehmen soll, muss sie Ihr nicht verzichtendes Kind in Bar entschädigen.

Ich möchte Sie noch darauf hinweisen, dass Sie das Erbe nicht ausschlagen, sonderen erst im Rahmen der Erbteilung auf Ihren Anteil zu Gunsten Ihrer Mutter verzichten (im Erbteilungsvertrag). Ansonsten werden Sie als vorverstorben behandelt, was der Erbteil des nicht verzichtenden Kinder erhöht oder ggf. auf Ihre Nachkommen übergehen lässt.

Ich hoffe, Ihnen mit dieser Auskunft weitergeholfen zu haben. Bitte vergessen Sie nicht, meine Antwort zu akzeptieren, indem Sie unter meiner Antwort auf das grüne Feld „Akzeptieren“ klicken. Ausserdem können Sie in der Rubrik Bewertungen eine Qualitätsbeurteilung abgeben und wenn Sie mit der Behandlung Ihrer Frage besonders zufrieden waren, meine Antwort sogar mit einem Bonus belohnen.

Mit freundlichen Grüssen

RA Aschwanden
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