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RA Schröter
RA Schröter, Rechtsanwalt
Kategorie: Österreichisches Recht
Zufriedene Kunden: 7690
Erfahrung:  Studium des österreichischen Rechtes
33364821
Geben Sie Ihre Frage in der Kategorie Österreichisches Recht hier ein
RA Schröter ist jetzt online.

Sehr geehrte Damen u. Herren, mir wird seitens des Arbeitgebers

Kundenfrage

Sehr geehrte Damen u. Herren,
mir wird seitens des Arbeitgebers Urkundenfälschung und/oder Zeitbetrug vorgeworfen.
Damit soll ich bis Montag 08:00 meine Unterschrift zur "Einvernehmlichen Aflösung des Dienstverhältnisses" leisten. Ich bin bis dato in diesem Unternehmen als Teamleiter angetellt und damit ebenfalls zur Kontrolle der Pausen mittels Zeiterfassungssytemes.
In dieser Eingenschaft wurde mir der Zugang zum System und damit die Berechtigung zum Ändern und/oder Löschen von Eintragungen erteilt. Es gibt keine schriftliche Handlungsanweisung oder wie auch immer geartete schriftliche Vereinbarung wie hier Einträge zu handeln sind. Nun nach 4 Jahren hat die Geschäftsleitung sich die Protokolle diese System angesehen und festgestellt das wir Teamleiter Löschungen oder Änderungen von Zeiteinträgen unserer Mitarbeiter und bei uns selbst vorgenommen haben. Unsere Argumentation das es sich dabei dann entweder um geführte Mitarbeitergespräche, Dienstkoordinationen oder auch um Telefonate in diesen Zeiträumen handelte und diese Einträge darum gelöscht oder geändert wurden um hier auch eine Gerechtigkeit der Definition Arbeitszeit oder wirkliche Rauchpause zu erzielen wird kein Glauben geschenkt. Da wir alle keine Aufzeichnungen geführt habe und davon ausgegangen sind das man uns das Vertrauen schenkt hier im Sinne des Unternehmens zu entscheiden benötige ich Ihre Einschätzung der Lage. Ergänzend sei noch angefügt das man uns sollten wir die zuvor erwähnte "Einvernehmliche" nicht unterschreiben man uns firstlos Kündigen wird und zivilrechtlich Klagen wird.
Ich bitte um Ihre geschätze Meinung zu diesem Fall.
Gepostet: vor 2 Jahren.
Kategorie: Österreichisches Recht
Experte:  RA Schröter hat geantwortet vor 2 Jahren.

RA Schröter :

Sehr geehrte/r Ratsuchende/r,

vielen Dank für Ihre Anfrage, die noch weitere Angaben erforderlich macht.

1. Sie führen aus, dass Sie Zeiten von geführten Mitarbeitergespräche, Dienstkoordinationen oder Telefonaten gelöscht oder geändert hätten. Warum war hier eine Korrektur erforderlich?

2. Haben auch andere Teamleiter ein entsprechendes Ultimatum erhalten?

3. Inwiefern kann hier ein persönliche Bereicherung erfolgen?

4. Konnte die Geschäftsführung bereits seit vier Jahren auf die Protokolle zugreifen?

5. Gab es von Mitarbeitern jemals Beschwerden wegen der Zeiterfassung?

Für ergänzende Informationen wäre ich dankbar, um besser auf Ihr Anliegen eingehen zu können.

Viele Dank!

JACUSTOMER-fbla024c- :

Sehr geehrter Herr RA Schröter,
folgende weitere Angaben:

zu Punkt 1. Die Korrekturen waren erforderlich weil diese Zeit sonst nicht als Arbeitszeit sondern als Pausenzeit der Arbeitszeit abgezogen worden wäre.
zu Punkt 2. Es wurde uns untersagt diesbezüglich Gespräche zu führen allerdings kann ich definitiv davon ausgehen das zumindest 2 weitere Kollegen ein solches Ultimatum erhalten haben.
zu Punkt 3. Es wird uns damit "erschumelte Arbeitszeit" unterstellt.
zu Punkt 4. Ja diese Systemlogs hätten bereits seid 4 Jahren überprüft werden können.
zu Punkt 5. Nein es gab keine Beschwerden der Mitarbeiter, alle MA inklusive uns selbst haben Ausdrucke der Zeiterfassung unterschrieben und somit deren Richtigkeit anerkannt. Auf diesen Ausdrucken sind jedoch die Löschungen nicht sichtbar gewesen.

RA Schröter :

Vielen Dank für die Rückmeldung.

Zunächts sollten Sie keinesfalls eine Unterschrift für eine Auflösung des Dienstverhältnisses leisten, da Sie sich sonst alle Recht abschneiden.

Vielmehr sollten Sie den bisherigen Anschuldigungen widersprechen und auch eine gerichtluche Klärung in Kauf nehmen.

Der Arbeitgeber hat ein Problem dahingehend, dass er weder Beschwerden von Mitarbeitern vorliegen hat, die Korrekturen aus begründetem Anlass erfolgten und Ansprüche auch verjährt oder verwirkt sein könnten.

Das für Sie wichtigste Argument ist aber, dass die Geschäftsführung durch Hinnahme dieser Praxis in den vergangenen 4 Jahren diese akzeptiert hat und unmehr hierauf keine fristlose Kündigung mehr herleiten kann. Denn die vorgeworfene Tat hat bereits vor vier Jahren begonnen. Die Geschäftsführung hätte bereits vor vier Jahren Kenntnis erlangen können bzw. eingreifen können. Eine fristlose Kündigung fehlt es an der Eilbedürftigkeit. Auch kann nicht als Grund herangezogen werden, dass es unzumutbar sei, dass Dienstverhältnis bis zum Ablauf der Kündigungsfrist fortzuführen, wenn dies bereits vier Jahre praktiziert wurde.

Sie haben mit entsprechender Befugnis gehandelt. Die richtige Vorgehensweise der Geschäftsführung wäre zunächst eine Aufklärung zu betreiben.

RA Schröter :

Zur weiteren Vorgehensweise rate ich Ihnen sich mit den anderen Teamleitern in Verbindung zu setzen und insbesondere anwaltlichen Rat einzuholen. Die nächste Zeit wird sicherlich nicht einfach, so dass Sie dringend juristischen Unterstützung benötigen.

Auch wenn Sie möglicherweise nicht mehr an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren, erreichen Sie zumindestens eine Gehaltsfortzahlung bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist ggfs. noch eine Abfindung.

RA Schröter :

In dem morgigen Termin sollten Sie jedenfalls keine Zugeständnisse machen, sondern ersteinmal Klarheit fordern, was Ihnen detailliert vorgeworfen wird. Dies sollte schriftlich erfolgen. Wenn möglich sollten Sie einen Zeugen bzw. Ihren Anwalt zu dem Termin mitnehmen.

RA Schröter :

Ich hoffe ich konnte Ihnen weiterhelfen.

Für eine positive Bewertung wäre ich dankbar (bitte einmal auf den entsprechenden Smiley unter meiner Antwort klicken).

Viele Grüße

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