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troesemeier, Rechtsanwalt
Kategorie: Österreichisches Recht
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frage wie hoch ist die anklage bei 201 und 205

Kundenfrage

frage wie hoch ist die anklage bei §201 und §205?
Gepostet: vor 6 Jahren.
Kategorie: Österreichisches Recht
Experte:  Guests hat geantwortet vor 6 Jahren.

Sehr geehrte Damen und Herren!

 

Nach § 201 Abs. 1 Strafgesetzbuch ist, wer eine Person mit Gewalt, durch Entziehung der persönlichen Freiheit, oder mit Drohung mit gegenwärtiger Gewalt für Leib und Leben zur Vornahme oder Duldung des Beischlafs oder einer dem Beischlaf gleichzusetzenden Handlung nötigt, mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 10 Jahren (bedeutet Mindeststrafe 6 Monate, Höchststrafe 10 Jahre) zu bestrafen. Hierunter fallen daher insb. Vergewaltigungen.


Zieht diese Tat besonders schwere Folgen nach sich, das heisst eine schwere Körperverletzung oder Schwangerschaft der vergewaltigten Person oder wird die vergewaltigte Person durch die Tat über längere Zeit in einen qualvollen Zustand versetzt oder besonders erniedrigt, dann ist die Tat strenger zu bestrafen, nämlich mit einer Freiheitsstrafe von 5 bis 15 Jahren. Wenn die Tat sogar den Tod der vergewaltigten Person zur Folge hat, dann ist die Strafdrohung von 10 bis 20 Jahren oder lebenslange Freiheitsstrafe.

 

Nach § 205 StGB besteht eine Sonderbestimmung für den Fall, des sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Person. Wer eine derartige Person sexuell missbraucht, ist mit Freiheitsstrafe von 6 Monaten bis zu 5 Jahren zu bestrafen. § 205 StGB ist sehr weitläufig und erfasst auf Fälle, wo etwa das Opfer verleitet wird, sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Hat ein derartiger Missbrauch eine schwere Körperverletzung oder Schwangerschaft des Opfers zur Folge, so ist die Tat wiederum strenger zu bestrafen, nämlich mit Freiheitsstrafe von 5 bis 15 Jahren. Hat die Tat den Tod der missbrauchten Person zur Folge, so ist die Tat mit Freiheitsstrafe von 10 bis 20 Jahren oder lebenslanger Freiheitsstrafe zu bestrafen.

 

§ 201 Strafgesetzbuch (kurz "StGB") betreffend Vergewaltigung geht den Bestimmungen des § 205 betreffend sexuellen Missbrauch einer wehrlosen oder psychisch beeinträchtigten Person grundsätzlich vor. Das bedeutet, wer Gewalt einsetzt und sein Opfer wehrlos macht und bereits bei der Anwendung von Gewalt den Vorsatz hatte, das Opfer sexuell zu missbrauchen, begeht ein Delikt nach § 201 StGB (Vergewaltigung).

 

Wenn daher eine Tat nach § 201 und § 205 Strafgesetzbuch angeklagt ist, muss für den Fall eines Schuldspruchs und einer Verurteilung nach der strengeren Bestimmung des § 201 Strafgesetzbuch die Strafdrohung von 6 Monaten bis zu 10 Jahren der Ermittlung der höchstmöglichen Strafe zu Grunde gelegt werden.

 

Für Jugendliche (und so auch 16-jährige) gelten jedoch Sonderbestimmungen nach dem Jugendgerichtsgesetz: Es entfallen grundsätzlich Mindeststrafen, das Höchstmaß einer Strafdrohung wird grundsätzlich halbiert und anstelle einer 10 bis 20-Jährigen oder lebenslangen Freiheitsstrafe tritt, wenn die Tat vor dem 16. Geburtstag begangen wurde, eine Strafdrohung von 1 bis 10 Jahren, wenn die Tat nach dem 16. Geburtstag begangen wurde, eine Strafdrohung von 1 bis 15 Jahren.

 

Im Ergebnis bedeutet das für Ihre Frage:

 

Sollte es zu einem Schuldspruch wegen § 201 Abs. 1 StGB kommen, droht bei einem 16- jährigen eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren (Höchststrafe 5 Jahre, keine Mindeststrafe).

 

Sollte demgegenüber ein Schuldspruch "nur" nach § 205 Abs. 1 StGB erfolgen, droht bei einem 16-jährigen eine Freiheitsstrafe von bis zu 2,5 Jahren.

 

Nur der Vollständigkeit halber: Hatte die Tat (gilt für eine Verurteilung nach § 201 und nach § 205 StGB) insb. eine schwere Körperverletzung oder Schwangerschaft zur Folge, droht bei einem 16- jährigen eine Freiheitsstrafe von bis zu 7,5 Jahren.

 

Der Strafrahmen muss aber vom Gericht nicht ausgeschöpft werden. Eine Strafe bzw. Teile einer Strafe kann/können von einem Gericht auch bedingt nachgesehen werden. Die Verhängung einer bedingten oder teilweise bedingten Strafe bedeutet, dass die Freiheitsstrafe in diesem Umfang nicht abgesessen werden muss, sondern dass das Gericht eine Probezeit bestimmt, innerhalb derer es zu keiner neuen strafbaren Handlung, derselben Art, kommen darf. Ansonsten kann es zu einem Widerruf der bedingten Strafe kommen, so dass diese abgesessen werden muss. Das Gericht hat im Falle eines Schuldspruchs bei der Strafbemessung (das heisst inwieweit es das Strafausmaß ausschöpft) die Schuld des Täters zu werten und Milderungsgründe und Erschwerungsgründe abzuwägen. Erschwerend ist etwa das Vorliegen mehrerer Delikte. Mildernd sind zum Beispiel der bisher ordentliche Lebenswandel (keine Vorstrafen), ein Geständnis, etc.

 

Ich hoffe Ihre Frage damit beantwortet zu haben.

 

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